Was tun bei Contentklau? Urheberrechte, Tools und Optionen! (pixel2013 / pixabay)

Contentklau oder Copycat: Urheberrechte bei Text und Bild

Was tun im Falle von Contentklau? Urheberrechte, Tools und Optionen

Mein hiesiges Blog „PR Stunt“ feiert im Jahr 2022 sein zehnjähriges Bestehen. Ich nehme mir einiges vor: ausmisten, verbessern, neu machen. Jeder Blogger weiß, wie viel Arbeitsaufwand und Herzblut in der Erstellung und Pflege eines Blogs steckt. Umso ärgerlicher, wenn sich Dritte ungefragt Texte oder Bilder aneignen. Zum Glück blieb ich von Contenklau in all den Jahren verschont, obwohl mir aus meiner Bubble das eine oder andere zu Ohren kam. Vermutlich eignen sich meine Inhalte nicht für einen lohnenswerten Diebstahl oder ich merkte es schlichtweg nicht.

So oder so: Ich zeige im Folgenden,

  • was im Falle eines Falles von Contentklau zu tun wäre,
  • welche Tools beim Aufspüren der Diebe helfen und
  • wie es sich mit korrektem Verhalten besser leben lässt.

Das kleine Einmaleins für Urheberrechte bei Text und Bild

Vorab: Die hier zur Verfügung gestellten allgemeinen Informationen stellen keine individuelle Rechtsberatung dar und sollen diese auch nicht ersetzen.

Generell lassen sich die Vorschriften zum Urheberrecht einer Website auf Blog-Content übertragen. Bei Texten ist entscheidend, ob die die Inhalte die notwendige Schöpfungshöhe erreicht. Eine Ausreichende Schöpfungshöhe liegt vor, wenn der Text eine sogenannte „persönliche geistige Schöpfung“ darstellt. Dies liegt laut Rechtsanwalt Niklas Plutte bei Texten sowohl in der individuellen sprachlichen Gestaltung als auch in der Sammlung, Auswahl, Einteilung und Anordnung des Stoffes.

Lesetipp: Die Kanzlei Plutte zeigt viele Beispiele auf und erklärt haargenau, was bei Text- respektive Contentklau zu tun ist. Von literarischen Werken über Werbetexte und Slogans bis hin zu Tweets oder Allgemeine Geschäftsbedingungen – Blogger finden im Artikel passende Cases rund um das Urhebergesetz.

Eigene Fotos fallen grundsätzlich unter das Urheberrecht, da sie in den meisten Fällen eine Bereicherung darstellen – Blogger und Marketer würden Mehrwert sagen. Der Gesetzgeber unterscheidet hierbei zwischen Lichtbildern und Lichtbildwerken. Gemäß Verlag für Rechtsjournalismus handelt es sich bei Lichtbildern um Schnappschüsse und unveränderte naturgetreue Wiedergaben. Im Gegensatz dazu steht bei Lichtbildwerken die Gestaltung des Fotos im Mittelpunkt.

Im Rahmen eines Artikel über die (un)bekanntesten Foto-Sharing-Dienste im Social Web, trug ich einst relevante Informationen zu Creative-Commons-Lizenzen zusammen. Kostenlose Bilddatenbanken wie pixabay, pexels oder unsplash beinhalten erfahrungsgemäß solche Lizenzen. Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung entwickelte zu jeder Lizenz entsprechende Fragestellungen und eine schöne Infografik. Hieran sollten sich Blogger oder Blog-Betreiber meines Erachtens unbedingt halten.

Welche CC-Lizenz für welche Foto-Sharing-Zwecke? (Deutsches Institut für Erwachsenenbildung)

Lesetipp: Die VFR Verlag für Rechtsjournalismus GmbH beantwortet im nachstehend verlinkten Artikel wichtige Fragen zum Urheberschutz bei Blogs. Sowohl die Einbindung von YouTube-Videos als auch Quellcodes sowie die Bedeutung von Kreativität bei Gestaltung und Design von Blogs finden darin Anwendung.

Optionen bei möglichen Verdachtsfällen von Contentklau

Bevor ich Tools zum Aufspüren eines etwaigen Contentklau aufzeige, bin ich noch Tipps zum möglichen Vorgehen schuldig.

1. Google involvieren: Wenige Blogger kennen die „Google Search Central“. Dort lassen sich unseriöse Informationen wie Spam, bezahlte Links, Malware oder möglicherweise geklaute Inhalte melden. Alles, was gegen die Richtlinien für Webmaster verstößt, gelangt zumindest zur Prüfung. Google verwendet diese Meldungen nicht, um direkte Maßnahmen zu ergreifen, sondern um die Suchergebnisse zu verbessern. Im Kampf gegen den Content-Diebstahl setzt YouTube beispielweise auf das Scannen hochgeladener Videos. Dabei wird unter anderem ermittelt, ob die betreffenden Inhalte bereits woanders hochgeladen wurden. Das funktioniert super, wie ich aus eigener Erfahrung als Corporate Communications Manager berichten kann.

2. E-Mail schreiben: Wurde der Contentklau vorsätzlich und wiederholt begangen, steckt ein System dahinter. Selten weist das Impressum (sofern überhaupt vorhanden) der Webseite des Diebes dann eine Person oder einen konkreten Ansprechpartner aus – geschweige denn eine E-Mail-Adresse. Andernfalls hilft häufig eine höfliche und bestimmte E-Mail mit Bezug auf den geklauten Inhalt, um weitere rechtliche Schritte zu vermeiden. Entweder löscht der Contentklauer die billige Kopie oder er sucht den Austausch für eine gütliche Einigung. Einem gewährtem Backlink oder einer zitierfähigen Aussage samt Quellenangabe schaut man nicht ins Maul. Oder anders ausgedrückt, empfinde ich das als legitim. Warum nicht gleich so?

3. Anwalt heranziehen: Als letztes Mittel bleibt das Einschalten eines Anwalts. „Danger Dan“ singt in einem seiner Songs und anderen Kontext von Militanz – ich drifte ab. Der Anwalt fordert gegebenenfalls den Urheberrechtsverletzer per Abmahnung zur Unterlassung auf. Ich möchte sagen, dass der Urheber vom Contentklauer die Abgabe einer Unterlassungserklärung verlangen darf. Damit soll sich der Dieb verpflichten, den Inhalt zu entfernen und zukünftig nicht wieder zu verwenden. Es muss Erwähnung finden, dass ein solches Vorgehen durchaus Risiken in sich birgt und diverse Kosten anfallen.

Eine Tool-Auswahl zum Aufspüren von geklauten Inhalten

Es gibt zig Möglichkeiten Contentklau aufzudecken, eine Handvoll kostenlose Tools stelle ich nun vor. Am einfachsten geht das über Google, indem man einzelne Sätze oder Absätze mit Anführungszeichen ins Suchfeld hakt. Etwaige Treffer gilt es genauer unter die Lupe zu nehmen. Daneben helfen weitere Tools zur Aufklärung von Contentklau:

Die bekannteste Plattform ist Copyscpape. In der kostenfreien Version lassen sich zehn Analysen pro Monat durchführen. Durch Eingabe der URL mit dem zu überprüfenden Text ermittelt die Software binnen weniger Sekunden, ob und auf welchen Webseiten der Text noch zu finden ist. Eine selbsterklärende Bedienung samt zuverlässiger Auflistung der Ergebnisse ist ein absolutes Plus. Mit Siteliner gehen dieselben Macher noch einen Schritt weiter. So enthält dieses Tool etwa eine detaillierte Statistikauswertung zur internen Verlinkung und vermeidbaren Doppelungen im Blog.

Lesetipp: Iris Staron schreibt im Upload Magazin über die Unterschiede von Unique Content und Duplicate Content. Außerdem checkt sie Tools zum systematischen Entlarven von gestohlenen Inhalten und klärt in einem Interview die Frage, wann es sich lohnt einen Anwalt einzuschalten.

Hilfreich bei Textklau-Fällen ist stets der Nachweis der eigenen Urheberschaft. Gibt es nämlich keinen „Copyright-Hinweis“, muss der vermeintliche Urheber erstmal den Beweis für seine Urheberschaft erbringen. Für einen solchen Nachweis eignen sich Zeugen aus der Blogosphäre, Screenshots, Logdateien, datierte Ausdrucke des Textes oder „Wayback Machines“.

Da nicht nur Texte, sondern häufig Bilder unerlaubt genutzt oder plump geklaut wiederzufinden sind, dienen Tools wie Plaghunter zur Aufdeckung von Contentklau. In diesem konkreten Fall bin ich Zwiegestalten. Das Tool bietet derzeit keine offene Registrierung an. Über ein Kontaktformular lässt sich zwar einen individuellen Zugang erfragen, um Bilderklau im Internet zu erkennen. Doch zu den Preisen erfahren Nutzer im Vorfeld nichts. Zudem steht der Betreiber Marco Verch in der Kritik. Der Fotograf nutzt Bilderklau zu seinem eigenen Vorteil und verschickt fleißig Abmahnungen.

Contentklau oder Copycat, das ist die entscheidende Frage

Ein belastbares Netzwerk ist nicht nur in der Blogosphäre wichtig. Deshalb empfiehlt sich ein Blick über den Tellerrand – als Inspirationsquelle, für Kooperationen oder zum kollegialen Austausch. Ich lese zum Beispiel und kommentiere Blogs, die über ähnliche oder manchmal ganz andere Themen schreiben. Sich von tollen Ideen oder Blogartikeln inspirieren zu lassen, ist aus meiner Sicht legitim und beflügelte bisweilen meine Kreativität.

Dann versuche ich noch eine Schippe draufzulegen oder neue Perspektiven sowie eigene Erfahrungen einzubringen. Contentklau oder Copycat ist jedenfalls keine Option! Copycat steht übrigens im englischen für Nachahmer oder Trittbrettfahrer und bezieht neben den oben beschriebenen Urheberrechten auch moralische Aspekte ein.

Lesetipp: Ich lege den Ratgeber von Dr. Kerstin Hoffmann und Rechtsanwalt Dr. Thomas Schwenke ans Herz. Er beinhaltet alles, was Kommunikatoren, Contentstrategen und Social-Media-Manager über Foto-, Zitat- und Urheberrecht sowie DSGVO wissen müssen.

Unabhängig davon mag der Grat zwischen inspirieren und kopieren möglicherweise schmal vorkommen, getreu dem Motto „Gelegenheit macht Diebe“. Doch gibt es sinnvollere Alternativen zum Contentklau. Die eigens entwickelte Infografik ist in Anlehnung an „So klaust du bei anderen Blogs richtig!“ entstanden und ausdrücklich zur freien Nutzung bestimmt:

Contentklau ist keine Option: 5 Alternativen und praktische Tipps! (Stefan Schütz / PR Stunt)

  1. Inspiration: Andere Blogs bieten viel Inspiration in puncto Schreibstil, Themenauswahl und Lesernutzen. Dies gibt der eigenen Kreativität für die Gestaltung des Blogs frischen Schwung.
  2. Kontinuation: Eine andere Möglichkeit wäre, den Gedanken eines Blogbeitrags fortzuführen. Ich meine damit eigene Überlegungen unter Angabe der Quelle zu ergänzen.
  3. Modifikation: Alternativ lassen sich Blogartikel Dritter mit neuen Ansätzen aktualisieren oder kritisch hinterfragen. Daneben machen sich Erfahrungswerte aus der Praxis gut.
  4. Institution: Ich verstehe Blogs unter anderem als Lernplattform, nicht als Wettbewerber. An der Aufmachung und Ansprache lässt sich bei regem Interesse partizipieren.
  5. Kooperation: Mein liebster Tipp kommt zum Schluss. Zwar sind Blogparaden aus der Mode gekommen, jedoch eine tolle Gelegenheit für den Dialog und gegebenenfalls Backlinks.

Fazit: klau‘ schlau und am allerbesten überhaupt nicht

Aus einer anfänglichen Inspiration eigene Gedanken abzuleiten ist für mich in Ordnung. Wenn es richtig und charmant gemacht ist, könnte man dies sogar als Wertschätzung für die Inhalte interpretieren. Die entsprechende Quellenangabe setze ich voraus und ist stets zu nennen.

Als Betroffener gilt es zunächst Ruhe zu bewahren und Beweise zu sichern. Schließlich ist nicht immer von böswilliger Absicht auszugehen – im konstruktiven Dialog lassen sich Missverständnisse meist schnell ausräumen. Dagegen schützt Unwissen nicht vor Strafe. Der beste Schutz vor Contenklau sind einmalige, professionell recherchierte und gestaltete Inhalte. Je mehr Kreativität und Authentizität, desto schwerer fällt der Diebstahl.


Autor: Stefan Schütz
Foto: pixel2013 / pixabay

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