Buchrezension: Web oder stirb!

Buchrezension: Web oder stirb!

Buchrezension: Web oder stirb!

Erfolgreiche Unternehmenskommunikation in Zeiten des digitalen Wandels

Buchrezension: Web oder stirb!

Der digitale Wandel ist allgegenwärtig. Er betrifft sämtliche Branchen und Generationen. Wir können uns gegen den Einzug des Digitalen längst nicht mehr wehren. Womöglich können wir nicht mal darauf verzichten. Sind wir doch abhängig: von der Sichtbarkeit, von der Resonanz, von der Kommunikation und von der Innovationskraft – die davon ausgeht. Ob man das gut finden muss? Diese Frage stellt sich überhaupt nicht! Nur ist das leider noch immer nicht bei jedermann angekommen. Und wir nehmen es ganz genau, auch nicht bei jeder Frau. Noch genauer gesagt: Wer als Unternehmen nicht online sichtbar ist – auf den richtigen Plattformen, mit den richtigen Inhalten, zur richtigen Zeit für die gewünschte Zielgruppe – wird gnadenlos untergehen.

Es bedarf aus meiner Sicht keiner großen einleitenden Worte, die Autoren des hiesigen Buches näher vorzustellen. Ist Kerstin Hoffmann doch in der Filterblase der Kommunikation mindestens so allgegenwärtig wie der digitale Wandel, um den es in ihrem neuesten Werk „Web oder stirb!“ (Haufe-Lexware; 1. Auflage 2015; 29,95,- EUR) geht und dieser demnach wie sie selbst die Hauptrolle spielt.

Zeitgemäße Kommunikation in einer verrückten Welt

„Web oder stirb!“ ist eine Abwandlung des, vor allem Ende der 60er Jahre im Rahmen eines gleichnamigen Films entstandenen, Kunstmarketing-Ausrufs „Wirb oder stirb“. Der Begriff Kunstmarketing ist hier nicht ganz korrekt angewandt und im weitesten Sinne zu verstehen. Bezog sich der Farbfilm von Reinhard Hauff damals schließlich auf die absurden Gags sowie bis heute teilweise grotesken Weismacher der Reklame-Industrie.

Buch und Film haben jedoch eines gemein: Die Titel sind leicht drastisch gewählt und wollen respektive wollten konstruktiv die Branche entkrampfen sowie neue Wege aufzeigen. Ob Werbung jetzt wirklich Kunst ist oder war oder weg kann, steht auf einem anderen Blatt und nicht zur Diskussion. Heutzutage kommt ja auch nicht mehr Kunst von Können, sondern Content von Können und Content Marketing von Könnern.

Bleiben wir dennoch kurz bei den Filmschaffenden. Erinnern mich der Untertitel und einige Ausführungen im Buch gewissermaßen stark an einen meiner Lieblingsfilme. Bei „Das Leben des Brian“ (Originaltitel: Monty Python’s Life of Brian) wird sarkastisch ein kleiner aber feiner Unterschied bei der Herangehensweise zur Untergrabung der römischen Vorherrschaft gemacht…

Wie bitte?! Naja, die Unterscheidung zwischen der „Judäischen Volksfront“ und „Volksfront von Judäa“ und meinetwegen noch „Populären Front“ ist ein wichtiger Bestandteil des Buches. Um zu verstehen, worum es im Kern von „Web oder stirb!“ geht.

Tatsächlich findet der Wandel nämlich nicht im Digitalen statt. Vielmehr ist das Digitale der Wandel und verändert so ziemlich alles. Anders ausgedrückt geht es nicht um den Wandel der digitalen Unternehmenskommunikation, sondern um die Unternehmenskommunikation in digitalen Zeiten oder in Zeiten des digitalen Wandels. Verstehste?!

Beenden wir diesen nerdigen Exkurs und halten als Quintessenz fest: Die Zukunft gehört den digitalen Könnern.

Anforderungen an die Kommunikation in digitalen Zeiten

Wer in diesem Band nach einer allgemeinen Einführung in das Social Web und in einzelne Plattformen oder gar die Grundlagen der Public Relations oder des Marketings sucht, ist fehl am Platz. Ferner ist keine philosophische Abhandlung über die Verheißung und Bedrohung des digitalen Wandels zu erwarten.

Grundsolide wird in vier klar gegliederten Teilen ein umfassender Überblick über das dringend benötigte Wissen und Handwerkzeug geliefert, um im digitalen Wandel bestehen zu können. Neben den State of the Art der Kommunikation, werden klassische Kernkompetenzen aufgezeigt und in eine integrierte Kommunikationsstrategie übertragen – untermauert werden die Thesen mit Beispielen aus der Praxis.

Unternehmenschefs oder Entscheider, Mitarbeiter in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, PR, Marketing, Vertrieb oder aus interdisziplinären Teams sowie Solopreneure oder Kommunikationsprofis in Agenturen werden ihre Freude an diesem Buch haben.

Interessierte und Kritiker können zudem auf der Website Ergänzungen, Änderungen und Neuigkeiten einsehen. Darüber hinaus sind dort Auszüge aus dem Buch, ein Glossar, das komplette Literaturverzeichnis sowie weiterführende Links zu finden.

Was ich an diesem Buch gut und nicht so gut finde

Ich mag den Schreibstil von Kerstin Hoffmann. Kein Geschwafel, lustige Anekdoten, fundiertes Fachwissen, durchgängig authentisch. Fast ähnelt dieser meiner Art mit kniffligen Fragestellungen umzugehen. So als würde man einfach das gesprochene Wort, also wie man spricht, in einem Rutsch zu Papier bringen.

Daher lässt sich auch dieses Buch wieder gut lesen. Während meines Urlaubs habe ich es durchgezogen und mir den Band zu Gemüte geführt. Obwohl oder gerade weil ich 175 Stunden lang und somit nahezu anachronistisch kein Internet zur Verfügung, keinen Blick auf das Smartphone geworfen, keine Gedanken an das Blog, geschweige denn an den digitalen Wandel vergeudet hatte.

Erleuchtet wurde ich hingegen nicht. Dafür verfolge ich das Treiben der Autorin wohl zu intensiv. Vieles der Niederschrift war mir von ihr oder einem der genannten Literaten bereits bekannt. Eine bahnbrechende Aussage oder den nächsten heißen Scheiß konnte ich persönlich leider nicht ausfindig machen.

Nichtsdestotrotz sind die verschieden aufbereiteten Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels („10 Fakten über Unternehmenskommunikation in digitalen Zeiten“, „10 Irrtümer ausräumen: So gelingt der Transfer vom Analogen ins Digitale“, „10 Schritte zur Selbsterkenntnis in der Unternehmenskommunikation“, „10 typische Defizite identifizieren und beheben“) sehr hilfreich.

Gefühlt kommen mir zu oft vertröstende Ausdrucksformen à la „würden den Rahmen dieses Buches sprengen“ oder „muss angesprochen, kann aber nur annähernd ausgelotet werden“ vor. Aufgefangen wird dieses kleine Defizit durch weiterführende Hinweise ausgewählter Literatur. Feinsinnig aufbereitet in einem Info-Kasten am Ende der jeweiligen Kapitel.

Schade ist außerdem, dass keinerlei Abbildungen enthalten sind. Diese würden zur Auflockerung des Geschriebenen zweifelsohne beitragen. Schließlich wird das Zusammenspiel von Design und Text im Buch unter anderem als ein Beispiel für viele Kernkompetenzen aus der Unternehmenskommunikation benannt.

Schön sind hingegen die Ausflüge in die Zukunft. Von jungen YouTube-Stars, von Employer Branding, von Tempo und Strategie sowie von Suchmaschinenoptimierung ist dann die Rede. Weitestgehend neu waren für mich die Kollaborationstools.

Zum Abschluss dieser etwas anderen Rezension möchte ich das Fazit aus dem Vorwort von Kathrin Passig zitieren:

Sie brauchen nicht schuldbewusst die Luft durch die Zähne zu ziehen, wenn Sie das Buch unter einem Stapel wichtiger Unterlagen für die Steuer wiederentdecken. Sie haben ein physisches Lesezeichen erworben, das Sie daran erinnert, dass Sie Kerstin Hoffmann bei Facebook oder @PR_Doktor bei Twitter folgen und ab und zu von dort einem Link zum PR-Doktor-Blog nachgehen wollten. Und falls eines Tages das Internet abbrennt, haben Sie immer noch dieses Buch.

Das könnte dir gefallen – das Buch zur verrückt digitalen und doch analogen, haptischen Welt!

Die Autorin

Dr. Kerstin Hoffmann gehört in Deutschland zu den bekanntesten Beratern, Speakern und Autoren aus dem Bereich Public Relations, Social Media und digitale Strategien. In ihrem Blog „PR-Doktor“ gibt die Kommunikationsspezialistin Wissen und Erfahrungen aus rund 20 Berufsjahren mit fachlichem Rat und praktischen Tipps weiter. Interessante Links, witzige Geschichten und ungewöhnliche Texte sind zum Markenzeichen geworden.


Autor: Stefan Schütz /
Foto: Janine Grab-Bolliger / pixelio.de
Bearbeitung: Joujou / pixelio.de

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