Blauer Riese Facebook - einfach riesig, der Kleine

Blauer Riese Facebook – einfach riesig, der Kleine

Blauer Riese Facebook – einfach riesig,
der Kleine

Eigentlich bin ich von Haus aus PR-Berater und nun das – innerhalb einer Headline gebe ich direkt mehrere Anspielungen auf noch immer aktuelle und vergangene Claims aus der TV-Werbung zum Besten. Das Thema Werbung beschäftigt mich jedoch bei der täglichen Arbeit durchaus und wird uns im hiesigen Blogpost ebenfalls am Rande beschäftigen. Zumal sich vermutlich nur die älteren Leser an weiße Riesen der Waschmittelindustrie und riesige Kleine der Automobilbranche erinnern werden.

Mit dem vorliegenden Beitrag nehme ich Bezug auf die Blogparade „Facebook Social Network und seine Nutzung“ von Alexander Liebrecht und möchte folgende Punkte mit euch gemeinsam angehen:

The Takeaways

  • Warum Facebook leider unabdingbar ist
  • Was bei Facebook an die Nerven geht
  • Welche Alternativen es zu Facebook gibt

Darüber hinaus gebe ich Tipps und konkrete Beispiele zum Umgang mit dem wohl bekanntesten Social Network und hoffe auf Nachahmer.

Warum Facebook leider unabdingbar ist

Man wird von mir keine Facebook-Lobeshymne erwarten können. Weder jetzt noch irgendwann. Betrachte ich doch die Mutter aller Social Networks in erster Linie als notwendiges Übel. Geschäftliche Kontakte pflege ich andernorts – live, eng und vertrauensvoll. Über Freundschaften müssen wir gar nicht erst reden. Meine Beziehungen zu Freunden trage ich im Herzen und nicht in der Öffentlichkeit aus.

Dennoch können wir die Sogwirkung und Wichtigkeit von Facebook als Reputationsplattform kaum wegdiskutieren. Ich wäre ein schlechter Kommunikationsberater, wenn ich eine Präsenz von vorherein als unangemessen propagieren würde. Ich wäre allerdings noch schlechter beraten, dies als Nonplusultra zu verkaufen. Es kommt eben darauf an. Möchte ich den Account regelmäßig nutzen? Dann eher aktiv oder passiv? Welche Ziele sollen verfolgt werden? Wird dabei zwischen privatem und beruflichem Umgangston unterschieden? Passt Facebook zu meiner Strategie?

Leider wird bei aller Gemütlichkeit mit und bei Facebook in den seltensten Fällen genügend differenziert. Viele meiner Kunden sind dahingehend recht festgefahren, sehen noch immer Facebook als die allererste zu bespielende Plattform im Social Web an. Dabei war das noch nie so! Dabeisein ist alles. Machen alle, will ich auch, macht mal. Totaler Quatsch.

Ohne Kalkül und mit nur wenigen Vorkenntnissen wurde einst ein Facebook-Profil angelegt, um im übernächsten Meeting vollmundig darüber zu berichten, wie fortschrittlich man sei. Und was gab es nicht alles für tolle Gewinnspiele oder Aufrufe à la „Bei 1.000 Likes glaubt mein Chef, dass Facebook geil ist und ich das Prinzip verstanden habe“.

Natürlich ist Facebook, trotz angeblich schwindender Nutzerzahlen und demographischer Wandlung, ein adäquates Mittel, um entlang der Customer Journey hausieren zu gehen. In Zeiten des digitalen Wandels gibt es jedoch weitaus mehr Möglichkeiten, sich und seinesgleichen miteinander zu vernetzen, an sich zu binden und die Kommunikation untereinander zu fördern. Denken wir beispielsweise an Corporate Blogs, YouTuber oder ganz allgemein an Influencer Relations. Ferner gilt es, das wahre Leben da draußen nicht zu vernachlässigen.

Blauer Riese Facebook - einfach riesig, der Kleine

Heutzutage geht es vor allem um die crossmediale Verknüpfung unterschiedlichster Kommunikationskanäle, -formate und -formen. Und um die Schaffung von nutzenstiftenden Inhalten sowieso. Bei persönlichen Interessen sowie der individuellen Berufung. Extern wie intern. Mit eigenen Kapazitäten oder mit der Expertise von Dienstleistern.

Facebook kann immer nur einen Teil der Gesamtkommunikation innehaben, einen Part der Strategie übernehmen und zur Erreichung der Ziele dienen. Demnach kann (nicht muss) Facebook eine bedeutende Rolle einnehmen. Aber so wenig wie Blogging mit Content Marketing gleichzusetzen ist, ist Facebook Social Media. Ist Masse gleich Klasse und Content automatisch Mehrwert.

Solange diese Aspekte in ihrer Gesamtheit nicht in den Köpfen der Stakeholder verankert sind, werden sich die Mythen und Legenden rund um den blauen Riesen halten. Treibt doch lieber das organische und stetige Wachstum in allen Bereichen voran. Schreit es raus!

Was bei Facebook an die Nerven geht

Es gibt da so ein paar Dinge bei Facebook, die gehen mir (und vielleicht einigen von euch) tierisch auf den Keks. Die sozialen Umgangsformen zum Beispiel – social heißt eben nicht sozial, was oft und immer öfter deutlich wird. Aber darum soll es hier nicht gehen. Der geneigte Leser möge dem Link oben zum digitalen Wandel folgen, um meine Erkenntnisse und vor allem die Meinungen kluger Köpfe hierzu sowie exemplarisch mehr über ein tolles Projekt namens #bloggerfuerfluechtlinge zu erfahren.

Diesmal bin ich völlig Banane banal unterwegs. Und dann auch noch mit Duplicate Content. Zumindest kurz und hoffentlich kurzweilig. So greife ich an dieser Stelle auf einen meiner Beiträge für das Gemeinschaftsprojekt ZIELBAR zurück, wo ich auf ironische Weise auf 5 Arten von Inhalten mit Nerv-Faktor eingegangen bin:

Was in den USA funktioniert, lässt sich unreflektiert übertragen

Made in Germany zieht noch immer als Aushängeschild des Exportweltmeisters industrieller Güter. Innerhalb der innovativen und vor allem digitalen Kommunikationsfähigkeiten sind wir hierzulande bestimmt genauso Entwicklungsland. Haben also einen Entwicklungsstand. Da bieten sich allemal Studien, Infografiken und sonstige Trendbarometer mit vollgestopften Anglizismen an, um selbige als lebenserhaltungsgroße Maßnahmen ohne kritischen Unterton anzupreisen.

Bewegtbild und Fotos kommen in jeder Lebenslage sehr gut an

Wen interessieren schon kurze und knackige Videos? Selbst vor schlechter Qualität wird nicht zurückgeschreckt, wenn es um Reichweiten und Viralität geht. Bloß nicht gänzlich auf Bildmaterial verzichten, im Zweifel irgendwo klauen. Eine höfliche Bitte zur weiteren Verwendung kostet viel zu viel Zeit, würde den Urheber nur unnütz in Bedrängnis bringen und womöglich noch Aufmerksamkeit bescheren. Beliebt sind ehedem peinlich anmutende Azubis, die fröhlich das Unternehmensclaim trällern oder generell die Ablichtung von Kindern – die kann man ja nicht nach ihrer Meinung und Zustimmung fragen. Keine Bilder sind auch keine Fotos.

Headlines müssen durchgängig wild, krass, actiongeladen und heftig sein

Möglichst kurzfristig denken, die Massen auf die gewünschte Seite lenken und dann bitter enttäuschen. Bis zum Ende liest doch sowieso keiner mehr. Wer kann denn überhaupt noch lesen, die Flut an Nachrichten bewältigen? Also das Volk lieber mit sinnlosen Parolen aufhetzen oder an die Tränendrüse appellieren. Eigentlich wollte er nur einen Facebook-Post verfassen – was dann passierte, hätte nicht mal Chuck Norris für möglich gehalten.

Ad Campaigns schaden sicher auch ohne vordefinierte Zielgruppe nicht

Man kann ja nichts kaputtmachen, wenn man wahllos der Sache ein bisschen oder großspurig Nachdruck verleiht. Schließlich ist eine solche Aktion kein persönlicher Angriff, denn die Beiträge wurden ja nicht extra an eine bestimmte Gruppe adressiert. Beauty Events in Flensburg zur Wochenmitte könnten rein zufällig auch in der ferienfreien Zeit für die zahlreichen und top ausgebildeten Handwerker aus dem Schwabenländle von Interesse sein. Sie baden gerade ihre Hände drin, im Sponsored Post ohne jeglichen Bezug auf ihre Vorlieben.

Wenn man nichts Neues zu sagen hat, sind regelmäßige Wiederholungen sinnvoll

Keine Schreibblockade, kein Abstimmungsprozess, kein Mangel an Content Curation und keine sonstigen Unwägbarkeiten hindern einen daran, alten Wein in neuen Schläuchen zu reproduzieren. Genügend altes Zeug ist vorhanden – alles eine Sache des Verkaufens. Fieberhaft das Datum ändern oder besser direkt weglassen, und alles glänzt so schön neu. Kontinuität ist oberstes Gebot.

Ganz aktuell gehen mir insbesondere zwei Geschäftsgebaren von Facebook auf die Nerven, die eher technischen Naturen sind. Zum einen ist da das Pop-up-Fenster „Desktop-Benachrichtigungen sind aktiviert“. Eine automatische Voreinstellung, die seit der neuesten Nutzerbedingungen proaktiv installiert ist:

Blauer Riese Facebook - einfach riesig, der Kleine

Machen die einfach, will ich nicht, mach‘ das weg. Den „Rückgängig-Button“ könnt ihr per Dauerfeuer betätigen. Ändert aber genauso wenig am wiederholten Erscheinen wie regelmäßige Updates der händisch erfolgten Benachrichtigungeinstellung.

Zum anderen ist da dieser lustige (wenn nicht rein werblich geprägte) Hinweis auf den vermeintlichen Erfolg von Posts. Im Wortlaut wir prophezeit, dass der Beitrag XY sage und schreibe 75 % oder sogar 90 % erfolgreicher ist als alle anderen geposteten News. Hammer, immer 110 % geben. Werben Sie bitte hier. Bei Gelegenheit reiche ich einen Screenshot nach…

Da ich erst seit 2014 überhaupt bei Facebook einen Account mein Eigen nennen kann, bin ich zu diesem Thema wohl nicht der geeignetste Ansprechpartner. Zum Glück gibt es zahlreiche Experten, von denen ich stellvertretend drei als Follower-Tipp herausgreifen möchte: Hutter Consult (Thomas Hutter), allfacebook (Rising Media) und schwindt-pr (Annette Schwindt).

Welche Alternativen es zu Facebook gibt

Amen. Damit meine ich nicht das mickrige Stoß- oder Schlussgebet beim erst einige Tage zurückliegenden Kirchenbesuch zu Weihnachten, sondern vielmehr das Social Network – einer von zahlreichen Versuchen, Facebook Paroli zu bieten und damit gnadenlos zu scheitern.

Umgekehrt hat auch Facebook einige Projekte eindrucksvoll gegen die Wand gefahren: Paper, Rooms, Riff, Slingshot, Poke – um beispielsweise mobile Apps aufzuführen, die gegen Snapchat anstinken sollten. Von und zu Snapchat werde ich bei Zeiten näher beleuchten, hier vermute ich am meisten Potenzial eines Herausforderers für Wettbewerb. Noch sind meine Kenntnisse allerdings sehr beschränkt, weshalb ich zunächst meine Klappe halte respektive halten sollte.

Eingangs habe ich indes weitere Möglichkeiten erwähnt, um sich und seinesgleichen miteinander zu vernetzen, an sich zu binden und die Kommunikation untereinander zu fördern. Abschließend seien deshalb immerhin einige Netzwerke der Vollständigkeit halber genannt.

Blauer Riese Facebook - einfach riesig, der Kleine

Die Macher von Ello haben bislang ihre Versprechen gehalten: keine Anzeigen, keine Klarnamenpflicht, kein Porno-Verbot. Naja, es gibt sicher andere Kritikpunkte und wichtigere Ansätze. Was man jedoch hoch anrechnen sollte ist die Tatsache, dass die werbefreie Facebook-Alternative auch zwei Jahre nach ihrer Gründung noch lebt. Ferner wurde Mitte 2015 endlich die lang ersehnte iOS-App vorgestellt. Ich bleibe Ello weiterhin treu.

Blauer Riese Facebook - einfach riesig, der Kleine

Totgesagte leben länger. Google+ ist natürlich noch da – größer, bunter, differenzierter und überhaupt. Wer an diesem Netzwerk gezweifelt hat, wird die Bedeutung und Hintergründe niemals verstehen. Wie kann man glauben, dass Google keine Strategie hat? Warum sollte der Konzern gegen Facebook anstinken wollen? Hier werden Maßstäbe gesetzt, Dinge ausprobiert und Visionen gelebt.

Blauer Riese Facebook - einfach riesig, der Kleine Das Phänomen Medium habe ich bisher hingegen kaum durchblickt. Wie kann das Schreiben auf Medium eine sinnvolle Alternative zu Facebook, Google+, Twitter und einem Blog sein? Anscheinend hat man dort aber vielfältige Möglichkeiten, seinen Gedanken schnell und umfassend Ausdruck zu verleihen. Außerdem mag es sogar recht leicht sein, eine Leserschaft um sich zu scharen und mit dieser gezielt zu interagieren.

Mir ist wichtig zu erwähnen, dass Vergleiche unangebracht sind. Werden doch schlichtweg Äpfel mit Birnen verglichen, um im Bild von banaler Banane zu bleiben. Es können stets nur Optionen aufgezeigt werden – die eigentlichen Fragen zu den Zielen und der Strategie muss jeder für sich beantworten. Deshalb gehe ich im hiesigen Blogpost weder auf wenig belastbare Nutzerzahlen noch subjektive Bewertungen ein, sondern liste flüchtig auf.

Welchen Social Network Trends folgt ihr? Kennt ihr schöne Nischennetzwerke, die eine Empfehlung wert sind? Was geht euch bei Facebook gegen den Strich? Warum habt ihr [gar k]einen Facebook-Account?

Autor: Stefan Schütz /
Foto: Astrid Götze-Happe / pixelio.de

Comments
  1. Herzlichen Dank für die Empfehlung! 😉

  2. Servus Stefan,
    ich werde mit Facebook in diesem Leben nicht mehr warm und die jüngere Entwicklung dort bekräftigt das noch.
    Ich nutze gerne Google+ und Twitter.

    Ich bin mal auf einen Dienst aufmerksam geworden, den ich mir aus Interesse mal anschauen will, weil ich die Idee schön finde, dass man auch „Best Agern“ eine soziale Plattform bietet. Ich denke, man kann es als Nischen-Netzwerk bezeichnen. Ist halt etwas für die reiferen Jahrgänge. 😉
    LG Hans

    http://www.seniorbook.de/

  3. Hallo Hans,

    ich bin mit Blick auf meinen Facebook-Account ein echter Spätzünder. Allerdings finde ich gerade einige neue Entwicklungen und Features sehr spannend. Wobei man nicht alles gut finden muss – das habe ich hier wohl auch deutlich gemacht 😉

    Danke für dein Feedback und viele Grüße
    Stefan

  4. Anna

    Hallo Stefan,
    ich ertappe mich gerade dabei zu denken „Warum liest du nicht öfter Stefans Blog?“. Dein Stil gefällt mir unheimlich gut. Dieser Beitrag holt mich auch ein bisschen auf den Boden der Tatsachen zurück und ich hoffe, dass es hält. Facebook ist einfach nicht alles!
    Danke für diesen Beitrag, bin total begeistert!
    Viele Grüße
    Anna

  5. Hi Anna,

    ja, warum eigentlich nicht? Warum schaust du nicht gerne öfter vorbei 😉

    Wir werden uns in diesem Jahr bestimmt wieder über den Weg laufen…
    Danke für dein durchweg positives Feedback, das begeistert mich wiederum sehr!

    LG
    Stefan

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