Erwartungen an das Kommunikationsjahr

The same communication as last year, Miss Sophie?

The same communication as last year,
Miss Sophie?

Ganz kurz keimte der Gedanke auf, einfach die Kommunikations-Trends des vergangenen Jahres zu modifizieren und als grundlegende Erneuerungen zu verkaufen. Kommt doch ohnehin alles wieder. Jedoch wäre ein bloßes Wiederkäuen ethisch nicht korrekt, mit meinem persönlichen Anspruch nicht zu vereinbaren und überhaupt total 80er-Jahre. Ein Kommen und Gehen, Geben und Nehmen.

Ich hätte den Weg des geringsten Widerstands gehen und es mir einfach machen sollen. War mir das Glück doch hold. Der Geist willig und das Sitzfleisch ebenso. Bereits im vergangenen Jahr bin ich nämlich dem Aufruf von Nicolas Scheidtweiler seine (wem seins? Na, ihm seins!) Blogparade gefolgt und habe die Glaskugel bemüht, um trendige Weisheiten vom Stapel zu lassen. Mit glorreichem Erfolg. Seinerzeit (wem seiner? Na, ihm seiner!) habe ich ein büschn Senf zu „3×3 Kommunikations-Trends für das Jahr 2014: Buzzwords, Networks, Marketing“ dazugegeben.

Das Geile an dem damaligen Blogpost ist, dass man nur ein wenig Egoismus, Betriebsblindheit, Wahrnehmungsverzerung und Lügenpresse in die Waagschale werfen muss, um zu erkennen: ich habe alles, wirklich alles (ever, ever) richtig gemacht, vorherbestimmt und frei erfunden 😉 So wusste ich beispielsweise von Ello als „Überraschungsmannschaft“ der Social Media, vom Untergang oder von der Normalität des Content sowie der zunehmenden Denke in Bezug auf interdisziplinäre Teams. Gar nicht so schlecht, oder? Dennoch muss diesmal zum Thema „Erwartungen an das Kommunikations-Jahr 2015“ was kommen. Come on!

Gemach, gemach. Irgendwie möchte ich einen Übergang von hier („Wann wird das damals eigentlich jetzt? – Schon bald.“) zur Nostalgie schaffen. Natürlich totaler Quatsch, aber für Überleitungen à la Gerhard Delling bestens geeignet. Blicken wir also auf das Jahr 1955 und gönnen uns eine Pause…

Historiker, Fernsehkinder und kritische Zeitgenossen wissen ob der wahren Jahreszahl des berühmten TV-Klassikers – 1963. Aber ich schrieb zuvor von einem nahtlosen Übergang, weshalb ich acht Jahre zurückging. Denn genau dahin wurde auch Michael J. Fox als Marty McFly geschickt, um später im Jahre 2015(!) wieder aufzutauchen. Was ist von der Filmindustrie damals ausgedachten Erfindungswelle tatsächlich eingetreten?

  • das „Hoverboard“ ist dank der Firma Hendo Hover Wirklichkeit geworden,
  • der „fliegende Delorean“ ist leider noch immer Zukunftsmusik,
  • die „Datenbrille“ im Film erinnert stark an Google Glass,
    („Warum ist in der Zukunft alles stark?“)
  • das „3D-Kino“ hat sich längst etabliert und Hologramme haben keinen Seltenheitswert,
  • der „selbstschnürende Schuh“ kommt noch in diesem Jahr auf den Markt.

Gar nicht so einfach zurück in die Zukunft zu schauen. Wagen wir es trotzdem:

  1. Das Print-Genre ist auf Konsolidierungskurs und wird sich im Zweifel selbst in die Bezahlschranken weisen.
  2. Content Marketing ist und bleibt in aller Munde und somit fester Bestandteil der Marketingkommunikation.
  3. Die Social Media setzen verstärkt auf die Kommunikationskanäle Mobile, Video und Second Screen.
  4. Bloggen und Influencer Relations gewinnen weiter an Bedeutung und kommen endgültig im Mainstream an.
  5. Aus „Big Data“ wird „Think Data“ – optimierte Modelle und Tools beglücken die User spürbarer und zielgerichteter.

Insgesamt wird es auch in diesem Jahr innerhalb der Kommunikation darum gehen, Begrifflichkeiten genauer zu definieren, voneinander abzugrenzen und mit Leben zu füllen. Dabei wird vermutlich alles dem allseits beliebten Grundtenor „qualitativ hochwertige Inhalte zu generieren“ untergeordnet. Bei so viel Qualität werden die Interaktionen zwangsläufig zurückgehen. Bleibt doch weniger Zeit, da direkt der nächste „Blogbuster“ wartet. Außerdem blickt man ja sowieso nur noch in glückliche Gesichter…

In diesem Sinne alles Gute für 2015!


Autor: Stefan Schütz /
Foto: I-vista / pixelio.de

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