R.I.P. Google+: Funny Facts und Plattform-Alternativen (Alexas_Fotos / Pixabay)

Funny Facts und Alternativen zu Google+

Google+ ist Geschichte – Funny Facts und Alternativen zum Alphabet-Network

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende? Für mich treffen diese geflügelten Worte nicht auf das Ableben von Google+ zu. Deshalb schreibe ich im Zusammenhang mit dem Tod der Plattform von Funny Facts. Denn bis zum Schluss war das Social Network der Alphabet Holding eher ein belustigendes Missverständnis. Obgleich es zum Ende hin mit der Daten-Panne einen mittelgroßen Schrecken gab. Doch der Reihe nach…

Nie wieder letzter im Google-Ranking sein

Von Beginn an war ich bei Google+ aktiv. Mitte 2011 bettelte ich förmlich um eine Einladung und die Aufnahme in das neue Social Network am Web-Himmel. Ging es euch nicht genauso? Schließlich warb Google+ intensiv mit seiner Exklusivität. Mitglied wurden zunächst diejenigen, welche von anderen Usern herzlich eingeladen (sic!). Insbesondere Journalisten, Pressesprecher und sonstige Kommunikatoren oder Content-Enthusiasten erhielten exklusiven Zugang.

Exkurs: Historie und Nutzerzahlen von Google+

Ab dem 20. September 2011 gelang die Registrierung auch ohne Einladung. Erst lag das Mindestalter bei 18 Jahren, ab dem 27. Januar 2012 bei 13 Jahren. Am 1. April 2017 waren weltweit etwa 3,4 Milliarden Personen auf Google+ registriert. Wie viele davon aktiv waren, ist nicht bekannt. Meiner Schätzung zufolge ist die Anzahl aktiver Nutzer zu diesem Zeitpunkt mit circa 600 Millionen zu beziffern. Andere Zahlen lassen eher auf 300 bis 400 Millionen und weniger schließen.

Tipp:Killed by Google” enthält eine kostenlose und offene Liste von Services, Produkten, Geräten und Anwendungen. Eine Quelle sachdienlicher Informationen über die Geschichte und Geschicke von Google.

Mit frohen Erwartungen ging ich meinen Account an. Und das unterscheidet mich von vielen anderen: Ich wurde nicht enttäuscht! Dazu sei gesagt, dass ich mit meinem Facebook-Account erst drei Jahre später an den Start ging. Bei Twitter postete ich im Juli 2011 erstmals und das Blog PR Stunt gibt es seit 2012. Ein Print-Abonnement besitze ich als Sinnbild meines Digital-Native-Dasein vom Kölner Stadt-Anzeiger schon ewig. Besser ausgedrückt, war Google+ für mich bis zum Schluss eine innovative Plattform.

Diese Meinung hatte ich nicht allein. Sascha Pallenberg konnte den “GooglePlus ist eine Geisterstadt Bullshit” nicht mehr hören, was er nach rund drei Jahren des Bestehens per Rant kundtat. Zumal der richtige Gesamtansatz verkannt und im blöden Gruppenzwang respektive Marketing-Gag von Google bei der Anmeldeprozedur unterging. Hierzu im nächsten Absatz mehr. Mirko Lange schrieb unterdessen via Slidehare: “Google bietet ein komplettes Ökosystem.

Infografik: Ökosystem rund um Google+ (BlueGlass)
Diesmal gehörte ich also zu den Pionieren. Für mich bot sich mit dem kompletten Ökosystem eine Präsenz im Social Web. In Google+ fanden alle anderen Google-Dienste statt, welche wiederum miteinander verknüpft waren. Beiträge, Kommentare, Bewertungen und Empfehlungen flossen gesammelt ein. Davon erhoffte ich mir ein besseres Ranking – zunächst mit Erfolg.

Das Großreinemachen des Ökosystems Google+

Insbesondere der ganzheitliche Ansatz kam niemals zu Tage. Denn der Größte Fehler war, sich innerhalb der Kommunikation mit Facebook zu vergleichen und als Alternative anzupreisen. Stolz ließ Google beispielsweise verkünden, dass der Konkurrent rund 1.300 Tage brauchte, um die Zahl von 40 Millionen Usern zu erreichen. Google+ schaffte das nach dem Launch am 28. Juni 2011 in knapp 90 Tagen.

Allerdings engagierten sich viele der mit der späteren “Zwangsanmeldung” rekrutierten Mitglieder nicht wie gewünscht auf der Plattform. So hatten die Community-Manager vom Fleck weg mit einer hohen Zahl an Karteileichen und Kritikern zu kämpfen.

In manchen GooglePlus-Communities bin ich glaube ich ganz allein? #Fitnesscenter Alle angemeldet, keiner da! (Rouven Kasten, Social-Media-Stratege, Twitter im Oktober 2014)

Erst vor kurzem vernahm ich bei der “Blog4Business – KonferenzCamp für professionelles Bloggen” einen lustig pointierten Satz zur hiesigen Problematik:

GooglePlus? Ja, das war schön – ich war immer dort, wenn ich allein sein wollte! (Felix Beilharz, Online-Marketer, Live-Vortrag im April 2019)

Unabhängig von den späteren Erfahrungswerten und dem gezahlten Lehrgeld. Dieser neumodische Kram hatte mich überzeugt. Auch wenn die gemachten Fehler nicht wegzudiskutieren sind. Apropos Diskussion – Eine Hypothetische Unterhaltung zum Tode von GooglePlus:

GooglePlus: Leichenschmaus, Abendmahl, Henkersmahlzeit (browsermedia)
Seit dem 2. April 2019 heißt es: “Es ist vorbei, bye, bye Google+”. Sämtliche Accounts und Seiten sind geschlossen sowie Fotos, Videos und Daten gelöscht. Wer versäumt hat, seine Inhalte zu exportieren – dem sei das “Archive Team” ans Herz gelegt. Die Gruppe zur Bewahrung der digitalen Geschichte, beabsichtigt die öffentlich zugänglichen Daten im sogenannten Internet Archive zu konservieren. Außerdem bleiben Fotos und Videos erhalten, die bei Google Photos gespeichert sind.

Tipp: Die “Clean-Content-Checkliste” enthält Tricks und Tools zur Unterstützung der Content-Strategie im Social Web. Schließlich sind Inhalte wie Blumen – wir müssen uns stets um sie bemühen, damit sie nicht verwelken.

Auf der Suche nach GooglePlus-Alternativen

Google+ ist ab sofort nur noch für G-Suite-Kunden verfügbar. Also nicht mehr für Privatnutzer und Brand-Konten. Umgekehrt bedeutet das für die eigenen Kanäle, Accounts und Profile jede Menge Arbeit.

Somit sind auf jeden Fall folgende Spuren im Social Web zu bereinigen:

  • Blog: Autorenprofil, Über-mich-Seite und Social-Media-Buttons
    (Follow- und Sharing-Icons)
  • Accounts: Profile in den genutzten Social Networks
    (“Weitere Profile im Netz” heißt es zum Beispiel bei Xing)
  • Media Kit: Präsentationen, Infografiken, Analysen oder Texte
    (und deren Verlinkung in Beiträgen)
  • Website: Datenschutzerklärung und sonstige Hinweise
    (im Header oder auf der Sidebar)
  • Print: Visitenkarten, Kataloge, Flyer und Broschüren
    (sowie gegebenenfalls QR-Codes auf Plakaten)
  • Signatur: E-Mail-Abbinder oder Newsletter
    (plus Autoren-Link bei Blogartikeln)
  • Alternativen: Follower, Fans und Favoriten
    (informieren und erneut gegenseitig folgen)

Die Auflistung ist ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Sie zeigt einerseits, wie verwurzelt Google+ als holistische Plattform war. Und andererseits, wie anfällig. Schließlich war der offizielle Grund für die Löschung und damit das Ende von Google+ eine gravierende Datenpanne. Bekannt seit Oktober 2018. Demnach waren mehr als 500.000 Nutzerkonten seit Jahren von Datendiebstahl bedroht. Aufgrund einer zweiten Panne im Dezember 2018 war der finale Beschluss gefasst.

Ehrlich gesagt, zweifele ich an dieser Begründung. Vielmehr halte ich es mit den strategischen Überlegungen, die ein Konzern-Sprecher verlauten ließ: “Grund hierfür sind die geringe Nutzung und die Herausforderungen, die das Anbieten dieses Dienstes mit sich bringt, um die Erwartungen seiner Nutzer zu erfüllen”.

Exkurs: Abwärtstrend und Usibility von Google+

Schon im Jahr 2014 gab es Spekulationen über ein baldiges Ende von GooglePlus. Jene hingen mit dem Weggang von Projektleiter Vic Gundrota zusammen, in dessen Folge der Konzern mehr als 1.000 Entwickler von Google+ abzog und in andere Projekte integrierte.

Mitglieder klagten öffentlich, der heutige Alphabet-Konzern habe das Interesse an seiner Plattform verloren. Da half es auch nicht, dass das Management zuvor sogar auf Forderungen aus der Nutzergemeinde einging und die Klarnamen-Pflicht abschaffte. Hinzu kamen Medienberichte, die unter Hinweis auf Insiderkreise meldeten, dass die Integration von Google+ mit anderen Google-Diensten nicht fortgesetzt werde.

Tipp: Der “GoogleWatchBlog” enthält aktuelle Informationen zu Android, Chrome, Google-Apps, Hardware und Alphabet. Dort findet ihr außerdem Hintergründe zu den Doodles und Eastereggs.

Wohin verschlägt es uns nun? Wechseln wir in Richtung der diversen anderen Netzwerke oder bedarf es gar keinen Ersatz? Google Deutschland treibt es zu Twitter. Für den GoogleWatchBlog hat sich MeWe als beste Alternative herausgestellt. Das Online-Magazin Zielbar nutzt zukünftig Skype als Ersatz für die Hangouts. Mich interessiert derzeit mein Pinterest-Account besonders. Bloggern empfehle ich pro forma den RSS-Feed und gegebenenfalls einen Newsletter sowie Flipboard. Slideshare schadet ebenfalls nicht. Ein digitales Potpourri.

Nahelegend ist ein Wechsel zum blauen Riesen. Ich gehe davon aus, dass ein Großteil der GooglePlus-Nutzer zugleich ein Facebook-Konto innehat. Was den Umzug und die Umstellung zumindest technisch erleichtert – nicht kulturell. Ferner stehen andere große Social Networks wie YouTube oder Messenger-Dienste zur Wahl. Und natürlich die kleineren Netzwerke wie Diaspora, Mastodon oder Ello. Letztgenannte kranken allerdings an ihrer geringen Anzahl an Nutzern. Zumal es vielen Usern überdrüssig erscheint, neue Accounts anlegen zu müssen.

Who’s next? Mein Fazit zu 2.835 Tagen Google+

Vom Netzwerk und meinem ursprünglichen Blogartikel ist nichts mehr übrig. Im Mai 2014 gratulierte ich als erster Blogger zum besonderen Geburtstag: “1.000 Tage GooglePlus – herzlichen Glückwunsch!” Nun sind insgesamt 2.835 Tage vergangen und Google+ ist Geschichte. Mein Fokus liegt auf andere Social Networks und vor allem das Bloggen. Der damalige Beitrag ist überarbeitet und mit neuer URL versehen. Das Projekt #MyFirstContent schreitet voran.

Kurzum: Es ist aus meiner Sicht schwer, die eine Option zu finden. Geschweige, die gesamte Community zu mobilisieren und zum Folgen zu animieren. Zu unterschiedlich sind die Bedürfnisse an die digitale Heimat. Natürlich ist es nicht auszuschließen, dass Google einen weiteren Versuch unternimmt eine Alternative zu bieten. Ein mögliches neues Google-Netzwerk wird es jedoch viel schwerer haben.

Danke, dass ihr unsere Follower wart! Es war uns eine Freude, mit euch allen eine Community aufzubauen. Bald werden wir diese Seite schließen – bitte schaut ab sofort hier [wahlweise eine Alternative einfügen] vorbei, um up-to-date zu bleiben.

Demnach stelle ich hier im Blog zukünftig weitere gängige Plattformen und interessante Nischen vor. Dem Ökosystem nachzutrauern lohnt ohnehin nicht. Zumal Netzwerke wie Facebook, Twitter, Pinterest, Instagram, LinkedIn, Xing, TikTok oder Medium fortlaufend mit neuen Funktionen aufwarten. Über diese sowie deren Vor- und Nachteile für Marketer und sonstige Kommunikatoren, gilt es zu berichten. Doch erstmal kümmere ich mich um den eigenen Kanal!

Was verbindet ihr mit GooglePlus? Welche Alternativen nutzt ihr jetzt häufiger? Woran scheitern die Versuche, gegenüber Facebook zusätzliche Plattformen langfristig zu etablieren?

Autor: Stefan Schütz
Foto: Alexas_Fotos / pixabay.com

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (3 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...

Dein Kommentar