re:plik der re:publica 2015 #rp15

re:plik der re:publica 2015 #rp15

re:plik der re:publica 2015 #rp15
– Finding Europe

Es gibt Wochen wie die letzte, die einfach schnell vorübergehen. Meistens ist dem gefühlt so, wenn viel passiert. Im Beruf, im Privatleben, im Netzwerk. Die geballte Kraft der Gesellschaft hat sich beiläufig im besagten Zeitraum zur re:publica zusammengefunden, um alles unter einen Hut zu bringen. Alles im Sinne von Beruf, Privatleben und Netzwerk. Und vermutlich noch widrige Umstände wie Politik, Recht, Smalltalk und das Beste von heute. Längst hat sich der einstmalige Event über digitale Themen zu einer ganzheitlichen Konferenz entwickelt. Rund 850 Referenten aus mehr als 60 Ländern haben in diesem Jahr etwa 7.000 Teilnehmer mit über 500 Stunden Programm beglückt.

Mittendrin statt dabei

Leider konnte ich diesmal nicht dabei sein. Die nächste Veranstaltung wird jedoch vom 10-jährigen Jubiläum begleitet. Dann möchte ich gerne teilnehmen. Heujahr versuche ich noch alles online aufzusaugen und zusammenzufassen. Nicht ganz freiwillig, wäre ich doch zu gerne schon ein Teil der #rp15 gewesen. Aber gänzlich ohne Bezug (nahezu spurlos) kann ich die prägende Zusammenkunft der digitalen Gesellschaft ferner nicht an mir vorbeiziehen lassen. Schließlich werden es noch andere Interessierte nicht bis nach Berlin geschafft haben und mindestens diese gescholtenen Mitbürger haben doch ein Anrecht auf Auskunft…

Im Grunde verhält es sich hierbei ein bisschen wie bei den Jahresrückblicken im Herbst auf sämtlichen TV-Programmen: es gibt unzählige davon, unfassbar viel Schrott, zahlreiche Doppelungen respektive Wiederholungen und aberwitzige Einschaltquoten. es gibt stets einen individuellen und subjektiven Blick auf die Dinge, diese sagenumwobene Nuance. Deshalb nehme ich mir halt heraus, über die re:publica zu schreiben, ohne wirklich vor Ort gewesen zu sein. Denn eingebunden war ich irgendwie schon, haben sich doch fast alle Bekannte an die (nicht ganz ernst gemeinte) Gebrauchsanweisung von Nico Lumma gehalten. Da macht es auch keinen Unterschied, dass diese Regeln schon drei Jahre alt sind.

Über mangelnde Tweets, Postings, Einladungen und Kommunikation konnte ich mich jedenfalls kaum beklagen. Ein weiterer Grund, der mich zur Teilnahme bewegt. Endlich mal die tollen Persönlichkeiten der Blogosphäre hautnah erleben und näher kennenlernen. Vielen Dank für die Einbindung in eurer Leben in Saus und Braus. Aus Datenschutz- und Zeitgründen verzichte ich an dieser Stelle auf Beispiele 😉

Und das ist auch gut [gemacht] so

Unheimlich schnell und informativ waren und sind mir Ivana Baric-Gaspar mit „5 Gründe, warum du bei der re:publica dabei sein solltest“ sowie Mike Schnoor mit „re:publica 2015: Das neue Festival der Digitalbranche“ untergekommen. Einfach gut gemacht und nicht zuletzt deshalb lesenswert.

Meine persönlichen Highlights, wenn ich das überhaupt so sagen darf, waren folgende fünf Sessions. Nicht weniger als ein klitzekleiner Bruchteil des gesamten Programms der re:publica. Mehr geht einfach nicht! Einfach gut gemacht und nicht zuletzt deshalb sehenswert.

The IS in us
Mit dem Islamischen Staat (IS) hat ein „terroristisches Start-up“ die Bühne betreten. Als böser Zwilling innovativer Medienformate wie beispielsweise Buzzfeed bedient sich der IS virtuos der Mechanismen des Social Webs und setzt statt auf herkömmliche Medienarbeit voll auf „Content Marketing.“ Doch darf man das überhaupt so nennen? Sascha Stoltenow und Thomas Wiegold behaupten sogar: wir müssen! Denn nur so können die, der Propaganda zu Grunde liegenden, wahren Absichten und Wirkungen verdeutlicht werden.

Blue Dot Mission
Alexander Gerst lebte und arbeitete von Mai bis November 2014 im Rahmen seiner „Blue Dot“-Mission auf der Internationalen Raumstation ISS. Als @astro_alex begeisterte er viele Menschen mit faszinierenden Fotos und Videos von der Erde. In seinem Talk berichtet der ESA-Astronaut von seiner Ausbildung, dem Start zur ISS, seiner Arbeit als Wissenschaftler an Bord und dem Blick zurück auf unseren zerbrechlichen Heimatplaneten.

Schwarmdummheit
Wie kommt es, dass sich die vielen intelligenten Menschen aus dem rasenden Alltagsstress heraus freiwillig in Meetings begeben und dort ineffektiv massenhaft Zeit verschwenden – dort alles rund um Zusammenarbeit, Abstimmungen und Teamarbeit als ausgesprochen quälend erfahren? Schuld sind laut Gunter Dueck Leute, die im Bewusstseinszustand eines BWLers am Uni-Abschlusstag Ziele ausrufen, die eigentlich utopisch sind. Vergessen wir lieber die oft zitierte Schwarmintelligenz. Es ist vielmehr die Schwarmdummheit, die noch fast niemand auf dem Radar hat und unsere Beachtung finden sollte!

Netzgemeinde
Die Netzpolitik in Deutschland 2015 ist am Ende: Die Piratenpartei ist implodiert. Ein Comeback der Vorratsdatenspeicherung droht. Das Urheberrecht stammt immer noch aus dem Jahre 1999. Die Netzneutralität droht abgeschafft zu werden. Dieses Ende ist aber gleichzeitig auch ein Neuanfang. Denn die Netzpolitik ist im Mainstream und das Netz in der Gesellschaft angekommen. Kirchentage widmen sich der Digitalisierung und selbst die SPD diskutiert Netzpolitik bis in ihre Ortsvereine. Die Tagesschau berichtet zunehmend über digitale Themen. Anstelle der Internet-Erklär-Bären treten mehr und mehr knallharte Interessenspolitiker. In dem Vortrag von Leonhard Dobusch und Markus Beckedahl geht es trotzdem – oder gerade deswegen – darum, das Gute zu sehen. Jetzt geht’s los!

Heul doch
„Lass die Helden heulen“ hieß die Installation der Creative Content Group um fischerAppelt für die re:publica 15. Kai Diekmann, Alice Schwarzer und Sascha Lobo fungierten als Symbole der weit verbreiteten Empörungskultur. Wenn ein Twitter-User bestimmte, auf die Protagonisten zugeschnittene, #Hashtags benutzte – fingen die Skulpturen an zu weinen. Der Gipskopf des bärtigen Bild-Chefs entwickelte sich dabei zum beliebtesten Foto-Motiv und medialen Schlager. Besuchte doch Kai Diekmann höchst persönlich sein Ebenbild.

fischerAppelt-Skulptur re:publica

Repliken beinhalten ferner kritische Untertöne. Jedoch muss ich aufgrund meiner Fehlzeiten diesen Part wohl besser anderen überlassen. Wie zum Beispiel Barbara Przeklasa mit „Was ich Neues über Digitalisierung gelernt habe“ oder Nadja Müller mit „Eine Dienstreise verpackt als Erlebnis„.
Muss ich last but not least wirklich sagen, wer mir in diesem Jahr gefehlt hat? Ne, oder? Der Sascha Lobo natürlich! Zum Zehnjährigen muss er wieder her, jawohl! Meike Leopold
re:publica 2015: Primstens, nur der Lobo muss wieder her! #rp15
Getreu dem rp-Motto „Finding Europe“ muss ich abschließend verkünden, dass ich Europa nicht gefunden habe. Aber viele gute Gründe, um 2016 der re:publica beiwohnen zu wollen. Wir sehen uns oder wie seht ihr das!?

Autor: Stefan Schütz /
Foto: S. Hofschläger / pixelio.de

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