Qualitätsjournalismus

Blogger sind (wie) Journalisten

Blogger sind (wie) Journalisten

oder: Lassen Sie mich durch, ich bin Blogger

Spektakulärer Stunt, meine lieben Freunde, doch leider umsonst!
Spaceballs-Filmzitat

Trotz allen berechtigten Kritiken sowie fernab von jeglicher Debatte über mögliche Ausbildungshintergründe der unterschiedlichen Schreiberzünfte, haben beide „Parteien“ verdienter- und gleichermaßen eine Daseinsberechtigung – die Spreu wird den Markt vom Weizen selbst regeln, oder so!? Die Rede ist von Bloggern und Journalisten. Wenn die Grenzen nicht ohnehin längst verschwommen sind…

Computer sagt nein!
Running Gag bei Little Britain

…dürfte man zumindest annehmen. Die Pressestelle des Deutschen Bundestages verweigerte aber unlängst Bloggern die Akkreditierung mit der Begründung, sie seien eben keine Journalisten. Autsch, das kam in der Blogosphäre nicht wirklich gut an. Was ging zudem für ein Aufschrei durch die Medienlandschaft, als die Huffington Post in Deutschland startete. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) verglich das Konzept vorab mit einer Gratiszeitung und hielt somit einen Angriff auf alle etwaigen Bezahlmodelle der Verlage für denkbar. Etablierte Blogger diskutierten über das „Für und Wider“ einer Teilnahme und der investigative Qualitätsjournalismus wurde gänzlich in Frage gestellt.

Beste PR also vor dem Markteintritt. Bereits einige Stunden danach haben die Beteiligten ihre Meinung fleißig revidiert oder nochmals zum Ausdruck gebracht und schon Tage später wurden eher bescheidende Nutzerzahlen zur allgemeinen Besänftigung der Branche präsentiert. Mittlerweile hat sich das Echo weitestgehend beruhigt.

Immer wenn gesellschaftliche Neuerungen anstehen (ja, so möchte ich sowohl die hiesige Diskussion als auch den oben genannten Zeitungsansatz bezeichnen) und das Gemecker wieder unerträglich laut wirkt, fällt mir eine Anekdote ein: Nein, ich meine diesmal nicht den Schwank aus meiner Jugend zum damals geplanten „Regenschirmreparaturdienst“. Vielmehr wurde vor jetzt fast 25 Jahren das fünfstellige Postleitzahlensystem eingeführt. Die älteren werden sich erinnern. Wer kennt denn heute außer mir noch seine alte Postleitzahl? 2800 Bremen 21 – Schwamm drüber. Generationswechsel, Veränderung, Beschleunigung = Normalität, alles eine Frage der Zeit. Wir sollten nicht so viel klagen und werden es überleben! Zugegebenermaßen ein stark hinkender Vergleich und wir beenden diesen Exkurs lieber schnell!

Letztendlich gelten doch die gleichen Voraussetzungen. Michael Firnkes spricht zum Beispiel in diesem Zusammenhang „von Sorgfaltspflicht, Wahrhaftigkeit und Transparenz„. Welcher Blogger kennt schon den Pressekodex des Deutschen Presserats? Klar ist jedoch, dass als Basis solider Öffentlichkeitsarbeit nach wie vor eine umfassende Recherche gilt. Zumindest sollten Blogger ähnlich gewissenhaft recherchieren wie Journalisten es als ein Alleinstellungsmerkmal für sich gerne beanspruchen.

Naturgemäß ist dies vorauszusetzen, steht doch der belastbare Inhalt (Neudeutsch: Content) an oberster Stelle. Trotzdem ist auch bei meinungsgetriebenen Posts und allgemeinen Themenstellungen Vorsicht geboten! Sonst kann es passieren, dass natürlich auch Blogger für falsche Aussagen rechtlich belangt werden können. Wenn beispielsweise Tatsachenbehauptungen plötzlich überholt sind, können die Autoren zur Unterlassung oder zum Widerruf verurteilt werden. Einfach loszuschreiben kann demnach unbeabsichtigte Konsequenzen haben.

Am besten sollten sich Blogger deshalb so nah wie irgend möglich an den Prinzipien des Journalismus orientieren. (Corporate) Blogs bieten viele Möglichkeiten, um eine breites Publikum zu erreichen. Die Huffington Post „zahlt“ beispielsweise mit Reichweite und Aufmerksamkeit. Ferner fordert das nicht zuletzt von den Bloggern eine besondere Sorgfalt. Als Quintessenz lässt sich somit festhalten, dass die Medienmacher die Frage „sind Blogger nun Journalisten oder nicht oder umgekehrt oder beides“ scheinbar nicht ausgereizt respektive aufklärend beschäftigt. Lasst uns deshalb bitte dennoch nicht in vergangene Epochen vollends zurück verfallen…

Ich werde jedenfalls einen Account bei der Huffington Post einrichten. Aber ich bin ja auch kein Journalist und stehe erst ganz am Anfang (meiner Recherche).


Autor: Stefan Schütz / 
Foto: Marvin Siefke / pixelio.de

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