Barcamp zu Krisen-PR in Köln

Ein Barcamp mit Hamster-Zombies und Twitter-Verbot

Ein Barcamp mit Hamster-Zombies und Twitter-Verbot

Zwei Tage KrisenPRCamp in Köln. Ein Heimspiel, welches ich mir nicht entgehen lassen wollte… und ich habe meine Entscheidung keine einzige Sekunde bereut! Was genau ein Barcamp ist und wie gut mir dieses Format, diese Veranstaltung gefallen hat – kann im entsprechenden Post nachgelesen werden und fand bereits weitreichend Anklang. Deshalb gibt es jetzt noch einen Nachtrag für Newbies, zahlreiche Statistiken für Nerds und witzige Einblicke dank geduldeter Anekdoten:

Was zieh ich an, was zieh ich an, damit man mich sehen kann. Rolf Zuckowski

Na klar war ich aufgeregt, so ging es wohl allen „Neulingen“ des Barcamps. Was erwartet mich, welche Herausforderungen kommen auf mich zu und wie werden die eigenen Ansprüche erfüllt? Alles halb so wild! Bei Barcamps wird ein lockerer Umgangston gepflegt, das „Du“ wird vorausgesetzt und erleichtert die Kommunikation ungemein. Somit gibt es keine Hierarchie, sämtliche Teilnehmer sind gleich – egal ob Geschäftsführer, (leitende) Mitarbeiter von Großunternehmen, Experten auf ihrem Gebiet, Berater von Agenturen oder Berufsanfänger.

Am zweiten Tag (so konnte ich beobachten) wurde durchaus das Nasen-Piercing wieder angelegt, das Hemd vermehrt durch T-Shirts ersetzt und dennoch weiterhin auf höchstem Niveau diskutiert. Damit kein falscher Eindruck entsteht: insgesamt werden seriöse Umgangsformen an den Tag gelegt und sich mit den Themen ernsthaft auseinandergesetzt. Es handelt sich hier schließlich um eine Zusammenkunft wissbegieriger, intelligenter und ehrenwerter Persönlichkeiten. Sich wohlfühlen und authentisch sein ist angesagt! Ausnahmen bestätigen die Regeln und Übertreibung macht anschaulich…

Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Winston Churchill

Knapp die Hälfte der Teilnehmer hat zum ersten Mal einem Barcamp beigewohnt. Genauso verhielt es sich bei der prozentuellen Verteilung von Weiblein und Männlein. Von 20 bis geschätzten 60 Jahren war auch die Altersstruktur breit gefächert. Etwa 120 Personen aus der DACH-Region (ehrlicherweise bis auf wenige Ausnahmen aus Deutschland) haben teilgenommen. 35 Sessions (den Abschluss eingeschlossen) bildeten ein ungeahntes Facettenreichtum an Erfahrungen, Einsteigerthemen, Basics, Ideen, Rechtsgrundlagen, Cases, Planspielen, Theorien und Innovationen.

Insgesamt wurden bis zum Ende der Veranstaltung weit mehr als 2.000 Tweets gezählt. In der Zwischenzweit sind viele Nachrichten zum #KrisenPRCamp hinzugekommen, da das durchweg positive Echo Eingang in diverse lesenswerte Rückblicke gefunden hat. Eine schöne Tradition bescherte darüber hinaus weitere kreative Hashtags. So konnte respektive sollte sich jeder Teilnehmer zu Beginn kurz vorstellen: Wer bin ich und was mach ich eigentlich hier + #Heimspiel #Taschentuch #BloggerRelations beispielsweise. Neben #SocialMedia ist mir noch #HelloKitty in Erinnerung geblieben…

Für Speis und Trank wurde im Überfluss gesorgt. Heiße und kalte Getränke, FCKW-Drinks (Fanta, Cola, Kölsch, Wasser) und mit SÜNNER Dry Gin No 260 ein dreifach destilliertes Geschmackserlebnis, kultige Nutella-Brötchen und warme Beköstigung. Mehr als genug also, um ganz nebenbei noch die restlichen Anwesenden im Startplatz – dem Inkubator für Startups in Köln und Schauplatz des Events – satt zu bekommen! In Zahlen ausgedrückt heißt das: 250 Frikadellen, zwei verschiedene Spaghetti-Saucen und mindestens genauso viele Bierkästen, einige hundert Brötchenhälften, geschätzte 300 Liter Softdrinks und fünf Flaschen Gin für einen wunderbaren Netzwerk-Freitagabend.

Mit Knoblauch, Silberkugeln und Furchtlosigkeit der Krise begegnen.

Es wurde Tacheles geredet und durchaus Exquisites berichtet, was dieses Barcamp (aus verlässlichen Kreisen bestätigt) von anderen deutlich unterschieden hat. Sobald äußerst sensible Hintergrundgespräche oder Vertrauliches zu Tage kamen, wurde stets auf ein „Twitter-Verbot“ verwiesen. Der unausgesprochene Ehrenkodex verbietet es, über das Gesprochene auch nur ein Wort zu verlieren. Ich werde mich allzu gerne daran halten und mein („uns aller“) Wissen mit ins Grab nehmen!

Allerdings darf ich weniger theatralisch noch das Geheimnis der „Hamster-Zombies“ lüften. In der aus meiner Sicht besten Session erzählte eine hier nicht näher genannte Teilnehmerin vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) eine schöne Geschichte. Als vor einigen Jahren das Tief „Daisy“ den Winter deutschlandweit in ein Schnee-, Sturm- und Verkehrschaos hüllte, riet das besagte Bundesamt damals zu einer vorsorglichen Ausstattung mit Lebensmitteln, Medizin und Kerzen. Eine große deutsche Presseagentur machte aus der obligatorischen Pressemitteilung die Schlagzeile: „Bundesamt rät zu Hamsterkäufen“.

Daraufhin sprangen einige Trittbrettfahrer auf den vermeintlichen Story-Zug auf und die Nachricht verbreitete sich wie eine… äh (Lauf-)Feuertonne in kalten Tagen. Von den Medien nahezu aufgefordert, schickten besorgte oder besser wortakrobatische Menschen aus der Bevölkerung kreative Geschenke. Diese reichten von Kuscheltieren über Hamsterbücher bis hin zu Futterrationen. Heute würde man den Hamster vermutlich zum Maskottchen machen und ein ernstes Thema dieser verstaubten und weitestgehend unbekannten Behörde unters Volk bringen – so zumindest der einheitliche Tenor beim Barcamp.

Selbige Dame überzeugte mit Selbstironie und Humor auch ein zweites Mal. In Anlehnung an das britische Fernseh-Format „Dead Set“ wurde sie stellvertretend gebeten, beim einst unbeachteten und heutigen Kult-Spartensender ZDFneo, ein Statement zur möglichen Epidemie-Ausbreitung via Zombies abzugeben. Leider (und aus mir unerklärlichen Gründen) hat weder die Horror-Miniserie noch das entsprechende Interview größere Beachtung gefunden. Immerhin entstand dadurch der Barcamp-Mythos von „Hamster-Zombies“!

Zu guter Letzt wurde ich um ein Interview gebeten, das sich ausschließlich mit den Inhalten der besuchten Sessions beschäftigt und eine fachliche Zusammenfassung des KrisenPRCamps bietet – ja, ich kann auch anders. Es hat mich sehr gefreut!


Autor: Stefan Schütz / 
Foto: Carsten Grunwald / pixelio.de

Comments
  1. Schöner Blogpost, Danke 😉 Eine kleine Bitte hätte ich aber doch noch. Und zwar wäre es schön, wenn da noch ein Link zum KrisenPRCamp (http://www.krisenprcamp.de) integriert wäre. So können dann nämlich Interessierte und Neugierige weiterstöbern…

    • Hallo Stefan,

      vielen Dank! Und: na klar, ich habe den Link hinzugefügt – übrigens auch schon im ersten Teil dieser kleinen Serie, in dem die Veranstalter und Sponsoren selbstverständlich gewürdigt werden 😉

      Gruß
      Stefan, too

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