Kein Platz mehr für Public Relations?

Trendbarometer dmexco – kein Platz für PR?

Trendbarometer dmexco
– kein Platz (mehr) für Public Relations?

Zwei Tage lang wurde Köln durch die dmexco wieder zum internationalen Hot Spot der digitalen Wirtschaft. Über 800 Aussteller aus mehr als 30 Ländern präsentierten sich auf der sechsten „Messe-Konferenz“ mit innovativen Lösungen und zukunftsweisenden Ideen.

Die dmexco erfährt Jahr für Jahr mehr Zuspruch – auch von meiner Seite, ich bin quasi mit der Kommunikationsplattform gewachsen! Mittlerweile nutze ich die Leitmesse verstärkt als Trendbarometer für Marketing-, Media- und Technologieentwicklungen sowie als willkommenes Netzwerktreffen mit Agenturen und Blogger-KollegInnen. So auch in diesem Jahr…

Entering new Dimensions

In Zeiten des „Internet of Everything“ erreicht die zunehmende Digitalisierung eine Dimension, die auf sämtliche Bereiche der Marketing-, Media- und Konsumenten- kommunikation anwendbar ist. Diese Evolution birgt auch für Public Relations neue Chancen oder besser ausgedrückt: die PR-Verantwortlichen täten gut daran, ein Kollektiv mit den Kreativen einzugehen – und umgekehrt! Es bedarf eine wesentlich differenzierte und effizientere Strategie beider. Eine gemeinsame Vision, neue Impulse. Gelingt es beispielsweise nicht, die Social Media und Blogger Relations im Kommunikations-Mix ausreichend zu berücksichtigen, teamübergreifend zu verinnerlichen und mit den Public Relations stärker zu verzahnen, wird die PR das gleiche Schicksal wie die Tageszeitungen ereilen. Zumal die Werbung durchaus etwas von der klassischen PR lernen kann. Schließlich wird Content (mal mehr, mal weniger erfolgreich) schon lange als Basis guter Arbeit angesehen und ist Native Advertising nur ein moderner Ableger selbiger.

Einige Auszüge von Christian Muche & Frank Schneider, dmexco Board of Directors, aus dem Whitepaper des begleitenden Veranstaltungsguides sollen meine Thesen untermauern:

Die Entwicklungszyklen der Digiconomy sind brutal schnell. PR, Marketing, Media, Kreation und Technologie müssen sich in Echtzeit mit Trends, Theorien und Zukunftsszenarien auseinandersetzen und darauf reagieren.

Der Mensch denkt gern in Schubladen, denn es vereinfacht das Denken. Hierdurch werden nur leider auch feste Kategorien geschaffen. Diese statische Segment-Logik muss jedoch aufgebrochen und neue Allianzen müssen geschaffen werden.

Big Data ist kein Rocket Science mehr. Doch nun steht mit der Verschmelzung von Kreation, Analytics und Content die nächste Zäsur an. Bislang sprechen Kreativwirtschaft, Datenanalysten und Berater oft nicht dieselbe Sprache.

Unternehmen lösen sich aus dem starren Korsett ihrer Branchenzugehörigkeit. Sales, Marketing und PR wachsen mehr als je zuvor zusammen und auch die Kreation kann und will sich nicht länger den technologischen Optionen verschließen.

Kollaboration über Grenzen hinweg ist demnach der Schlüssel! Entweder finden alle beteiligten Akteure eine Gesprächsebene oder es entwickelt sich ein neues Berufsbild, das die geforderten Skills miteinander vereint. Die Unternehmen und Agenturen sind wiederum gefordert, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. 

What’s new?

In diesem Jahr gab es auf der dmexco mit insgesamt sieben Seminars noch mehr Case Studies, Learnings und Insights. Ich habe drei Seminare („Digitale Werbung in Deutschland – ein Überblick des OVK“, „Markenführung im digitalen Kontext – wie Inhalte und Service Konsumenten überzeugen“, „Dos and Dont’s beim Native Advertising: wie Native Ads richtig wirken!“) und einen Vortrag zum „Digital Rights Management in Marketing und Kommunikation“ in der Speakers‘ Corner besucht. Letztgenannte Schmuddel-Ecke hat mich wiederholt inhaltlich, sprachlich und akustisch stark enttäuscht. Diese Werbeveranstaltungen werde ich in der jetzigen Form nie wieder beehren. Umso mehr möchte ich die Seminar-Reihe empfehlen, die mit etwas Glück hinsichtlich der Auswahl außerordentlich viel Spaß bereitet und tollen Mehrwert bietet.

Darüber hinaus wurden sowohl die Debate Hall als auch Congress Hall mit einer neuen beziehungsweise neu gestalteten Bühne und zusätzlichen Kapazitäten ausgestattet. Dennoch waren die Veranstaltungen wir in den Vorjahren schnell voll, weshalb sich stets ein frühzeitiges Erscheinen empfiehlt. Einmal stand ich fünf Minuten vor Beginn vor verschlossener Tür. Das TV-Studio erstrahlt ebenfalls im neuen Glanz und bildet in der Eingangshalle einen zentralen Anlauf- und Treffpunkt.

Eine wirklich schöne Neuerung ist „Start-up-Village“. Innovative Startups und Entrepreneure aus dem In- und Ausland können sich hier in ihrer eigenen Lounge und auf der zusätzlichen Conference-Bühne dem interessierten Publikum präsentieren. Klasse!

What’s hot?

Im Marketing rückt immer stärker der Kunde und dessen Weg bis zum endgültigen Kauf in den Mittelpunkt – Stichwort Customer Journey. Es kommt darauf an, die Konsumenten mit der passenden Botschaft zeitgerecht am richtigen Touchpoint, möglichst individuell sowie kanal- und endgerätegerecht zu bespielen, um mit einer packenden und perfekt inszenierten Story Kaufimpulse auszulösen. Oberstes Ziel ist es, die Customer Journey der User zu verbessern und damit letztlich die Konversationsrate – also den Anteil der Adressaten, die auch wirklich kaufen – zu steigern. Daraus ergeben sich fast zwangsläufig verschiedene Anforderungen, mit denen sich die Verantwortlichen auseinander setzen müssen:

Ein wichtiger Trend in diesem Kontext besteht darin, die bislang nebeneinander existierenden Marketingkanäle in einen integrierten, kanalübergreifenden Ansatz zu überführen. Cross Channel Marketing statt Multi Channel.

Damit das gelingt, benötigen Werbungtreibende unzählige Daten aus verschiedenen externen und internen Quellen wie Bewegungsprofile von Websites, Newslettern, Shops und CRM-Systemen. Die Herausforderung von Big Data besteht darin, daraus sinnvolle Informationen für das Marketing zu generieren.

„Fast könnte man meinen, dass das Thema Big Data die Rache der Nerds an den Kreativen ist.“
dmexcotrends 2014 vom Verlag Werben & Verkaufen, Seite 14

Um das Vorhaben weiter auf die Spitze zu treiben, wird es mit Marketing Automation noch anspruchsvoller. Der nächste Trend besteht nämlich darin, den Analyse- und Entscheidungsprozess so weit zu automatisieren, dass er in Echtzeit abläuft. Eine neue Leistungsdimension im Real Time Advertising.

Nichts anderes erwarten nämlich die „Digital Natives der Generation C“ (Creation, Curation, Connection, Communiy)! Ein interessantes Projekt zur Umsetzung gibt es ausgerechnet in Deutschland: das App-Portal der HDI-Versicherung ermöglicht überall und für kurze Dauer spontanen Versicherungsschutz. Bevor es also die schwarze Skipiste hinunter geht, schnell noch eine Versicherung für die nächsten 2,5 Minuten abschließen.

Als persönliches Highlight habe ich noch den Google-Stand in Halle 7 empfunden. Hier wurden in einer „Wohnsiedlung“ verschiedene Tools und Produkte des Konzerns vorgestellt. Nach kurzer Wartezeit gelangte man in Kleingruppen von bis zu zehn Personen in eine „Motto-Finka“. Dort erhielt man ein Testgerät und konnte interaktiv zum Beispiel per Smartphone und Smartwatch Google Now (wie in meinem Falle) ausprobieren. Lustig war es allemal am Zuckerhut @AKRinkleff


Autor: Stefan Schütz /
Foto: rudolf ortner / pixelio.de

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