Redaktionsplan als Marketing-Werkzeug

Ohne Redaktionsplan keine Content-Strategie

Ohne Redaktionsplan keine Content-Strategie

Es hat sich bei mir zur Tradition entwickelt. Zu Jahresbeginn bringe ich gerne das kleine und feine Tool namens Redaktionsplan im Blogpost-Portfolio unter. Meine bisherigen Beiträge hierzu wurden teilweise kontrovers diskutiert. Das hat mich erneut motiviert Impulse aufzugreifen und zu setzen. Deshalb erwarten euch in diesem Beitrag zwei Infografiken, ein Podcast, zig Mustervorlagen und viele Tipps rund um das Thema Redaktionsplan.

Beziehungsphänomen Redaktionsplan

Wir tun uns mit ihm und ebenso ohne ihn schwer – der Redaktionsplan als Beziehungskiller. Dabei wollen wir stets das Beste für unser Blog-Baby. Meinen es doch nur gut. Setzen uns als Selbstoptimierer und Eigen-PRler spätestens in der Silvesternacht ein konkretes Ziel. Nennen es bisweilen Vorsatz und prognostizieren damit den sagenumwobenen Quantensprung. Denken wir groß!

Wie in jeder funktionierenden Beziehung geht es beim Redaktionsplan zunächst um die kleinen Freuden des Lebens. Um grundlegende Eigenschaften und gegenseitige Wertschätzung. Oder im übertragenen Sinne um die Sensibilisierung für einen professionellen Umgang mit dem eigenen Blog. Besser ausgedrückt, um eine Herzenssache, eine Philosophie, um das Vorspiel und somit im wahrsten Wortsinn Alltagshandwerkzeug.

Benötigt ein Blog einen Redaktionsplan?

Bei alledem bitte nicht vergessen, dass wir eine Verantwortung tragen. Gegenüber dem Partner, den Lesern oder im Beruf den Stakeholdern. Überdies gibt es wichtigere Dinge im Leben, als sich die Nächte mit Blog-Inhalten um die Ohren zu schlagen. Soll heißen: Es muss uns im hiesigen Kontext gelingen, den Spagat zwischen Planung und Flexibilität zu schaffen.

Der Redaktionsplan ist ein Tool, nicht die letzte Instanz. [Aber] ein Blog verdient einen Redaktionsplan wie jede seriöse Publikation.
(Sabine Gysi, heute BOLD Blog)

Vier unabdingbare Eigenschaften

Es bedarf laut meiner vorherigen Infografik vier Eigenschaften. Also damit die Welt respektive Blogosphäre nicht aus den Fugen gerät:

Disziplin

Trotz eisernem Willen, ist der Geist schwach. Gerade dann gibt es einen Abgabetermin oder eine sonstige Verpflichtung gegenüber Dritten. Der Redaktionsplan hilft, Ideen zu archivieren. Er dient als Fahrplan zur Themenfindung. Besondere Situationen, erfordern bekanntermaßen besondere Maßnahmen. Teil des Maßnahmenkatalogs zur disziplinierten Vorgehensweise sind Guidelines. Durch deren Erstellung und Einhaltung sparen wir viel Zeit für die Recherchen und den Ressourceneinsatz.

Wagemut

Ein Redaktionsplan soll die Arbeit nicht einschränken. Es ist wichtig, den eigenen Stil und die eigene Arbeitsweise darin abzubilden. Nichts ist in Stein gemeißelt. So bewahrt ein Blogger seine Flexibilität und später Authentizität. Bei den Inhalten gerne über den eigenen Tellerrand hinausschauen. Kreativität, Mut und Geistesblitz – drei Schlagworte als Inbegriff für beherztes Auftreten. Mit diesen Tugenden löschen wir ferner den Wissensdurst nach Aktualität. Durch saisonale Themen, eine Blogpost-Replik oder aktuelle Geschehnisse, kritische Rezensionen und Teilnahmen an vielbeachteten Blogparaden erlangen wir große Anerkennung vom Leser.

Kontinuität

Oberstes Credo ist das regelmäßige Bestücken des Blogs. Gibt es doch nichts abtörnenderes als ungepflegte Websites, uralte Beiträge, lieblose Inhalte und verwaiste Communities. Gedanklich fliegt gerade ein Tumbleweed durch das Bild. Wir schweifen ab. Jedenfalls helfen Kontinuität und ein roter Faden bei der Leser-Bindung. Dahinter steckt ein Stück weit ein Strategiegedanke. Vorausgesetzt dieser ist vorhanden und im Redaktionsplan verankert. Alles in allem wird somit die strategische Vorgehensweise optimiert.

Planung

Die Nutzung eines Blog-Redaktionsplans setzt drei Dinge voraus: die Ziele sind formuliert, eine Strategie liegt vor und mehrere Social Media-Kanäle sind zu bespaßen. Mit anderen Worten: die Planungen sind längst abgeschlossen! Der Redaktionsplan ist nichts anderes als ein mögliches Steuerungselement für Timing, Dokumentation und Erfolgsmessung. Was wiederum eine Identifizierung mit dem Blog voraussetzt.

Fluch und Redakionssegen zugleich

In aller Regel wissen wir, worüber wir schreiben möchten. Haben eine grobe Richtung im Kopf. Der Redaktionsplan verfeinert unsere Gedanken und überträgt diese in ein System. Er gibt den Rahmen vor, wer was wann und wie schreiben soll. Und gibt dank Planungssicherheit und gewisser Grundzufriedenheit Ruhe im Karton.

Noch zu häufig denken wir zu kurzfristig: schnell eine Leserschaft aufbauen oder Reichweite generieren. Doch gerade in punkto Content-Strategie gilt es, unser Publikum zu verstehen. Wir wollen wissen, wie wir das Auditorium motivieren und welche Inhalte relevant sind.

Das [Publikum verstehen zu wollen] ist ein strategisches Ziel. Und dafür brauchst du ein strategisches Werkzeug [wie den Redaktionsplan]!
(Vladislav Melnik, Affenblog)

Wie im Teaser erwähnt, habe ich mich häufiger mit dem Sinn und Unsinn eines Redaktionsplans für Private oder Corporate Blogs beschäftigt. Der einheitliche Tenor via Kommentarfunktion war, dass es zumindest einen groben Plan geben, aber die Flexibilität erhalten bleiben müsse. Ich setze dem entgegen, dass ein Redaktionsplan die Flexibilität noch erhöht und im gewissen Sinne ein strategisches Marketing-Werkzeug darstellt.

Etwaige Vorteile eines Redaktionsplans

Bei allen etwaigen Vorzügen – mit einem Redaktionsplan stehen wir hinsichtlich unserer Content-Strategie am Anfang! Ist noch kein einziger Blogpost geschrieben (Content Creation). Wurde noch nichts veröffentlicht (Content Publishing), distribuiert (Content Distribution) oder promotet (Content Promotion). Und naturgemäß keine Analyse vorgenommen (Content Analysis).

Warum ein Blog einen Redaktionsplan benötigt

Ferner gibt es deshalb neben dem Redaktionsplan einen Themenplan sowie Produktionsplan. Alle Pläne haben ihre Daseinsberechtigung, sind jedoch nicht zwingend notwendig. Sofern die Content-Strategie zu finden respektive zu erkennen ist und sich abbilden lässt.

Exkurs: Agenda Setting & Agenda Surfing

Agenda Setting (engl. Thematisierung) beziehungsweise Agenda-Setzung bezeichnet das Legen konkreter, trendiger oder innovativer Themenschwerpunkte. Hier geben wir den Takt vor, setzen unsererseits Impulse und überzeugen mit neueren oder modifizierten Ansätzen.

Agenda Surfing (engl. Themenreiten) beziehungsweise Agenda-Surfen bezeichnet das Aufgreifen von aktueller, bestehender oder vorgegebener Themenschwerpunkte. Hier gehen wir einer Aufgabenstellung nach, bieten Lösungsansätze und hängen uns an eine Diskussion konstruktiv ran.

Abschließend folgen kostenlose Musterbeispiele von Redaktionsplänen samt deren Bewertung. Vorher gibt es einen Podcast von Christian Gursky mit dem Titel „So hältst Du Deinen Redaktionsplan stets gut gefüllt“ auf die Ohren:

Kostenlose Redaktionsplan-Vorlagen

In Zeiten von virtuellen Newsrooms wie Scompler habe ich gedacht: der Redaktionsplan oder Redaktionskalender in Excel-Form hat ausgedient. Dagegen sind solche Tools zu vielleicht zu umfangreich. Zumindest für Hobby- oder Nischen-Blogger respektive Blogger, die wie ich nebenberuflich bloggen. Dennoch führt aus langfristiger Sicht kein Weg an solchen Instrumenten vorbei.

Redaktionsplan eines virtuellen Newsrooms

Hier und heute reichen eure Excel-Tabellen aus. Zumal diese zahlreich zu finden sind und eine spezielle Note vorweisen. Im Folgenden stelle ich die gefundenen Mustervorlagen mit ihren Besonderheiten vor. Und bewerte sie nach persönlichen Interessen, individuellen Bedürfnissen und subjektiven Beweggründen.

Sämtliche Vorlagen sind absolut barrierefrei und ohne Angaben von Informationen zu beziehen. Trotzdem ein wichtiger Hinweis: Auch wenn die folgenden Redaktionspläne zur freien Verwendung im Internet bereit stehen, obliegt den Autoren das Urheberrecht. Anpassungen sind legitim, aber in Rücksprache mit dem Verfasser vorzunehmen. Insbesondere, wenn die daraus entstandenen Redaktionspläne ihrerseits zur Verfügung gestellt werden. Kurzum ist eine Nennung der Quelle zwingend geboten!

Sterne-Wertung

3 PR-Stunt Sterne (Stivologne) Der Redaktionsplan von Daniela Sprung und Christian Müller ist klar und nahezu minimalistisch strukturiert. Das Augenmerk liegt auf der Zweitverwertung. Es gibt ein Makro namens „Zufallsgenerator“ für die Zweitveröffentlichung und ein Video-Tutorial hierzu. Nach einem Klick auf den entsprechenden Button erfolgt eine genaue Zeitangabe für die nächste Veröffentlichung im ausgewählten Kanal. Infolgedessen lassen sich wunderbar zu schnelle Abfolgen und Doppelungen vermeiden. Mit der einfachen Handhabung kommt diese Art der Darstellung in erster Linie Anfängern zu Gute.

4 PR-Stunt Sterne (Stivologne) Der Redaktionsplan von Onlinemarketing-Praxis ist der umfangreichste der hier vorgestellten Tools. Sagenhafte vier Datenblätter umfasst dieser Plan – sorgfältig sortiert und bis ins Detail aufbereitet. Nach Themen und Teammitgliedern, dem eigentlichen Redaktionsplan, der Auswertung und einem Themenspeicher. Ein vielseitiger Kalender mit ausreichend Platz für Anmerkungen und Statusmeldungen. Ferner erleichtern Dropdown-Menüs die Pflege und automatische Auswertungen der individuellen Maßnahmen.

3 PR-Stunt Sterne (Stivologne) Der Redaktionsplan von coseed ist komplex, was die generelle Pflege aufwendig macht. Diese Vorlage für Social Media und Content-Marketing deckt weitaus mehr als die üblichen Komponenten ab. Zudem ist sie übersichtlich und hilft nicht zuletzt durch Farbschemata bei der strukturierten Herangehensweise von Kampagnen. Bedauerlicherweise ist hier kein Platz für die Texte der Statusmeldungen vorgesehen. Das Ampelsystem überzeugt und ist eine große Planungshilfe.

4 PR-Stunt Sterne (Stivologne) Der Redaktionsplan von Rita Löschke alias SinnWert Marketing erfährt kontinuierlich zum Jahresende ein Update und gehört somit zu den Klassikern. Überdies ist übersichtlich und hält Gimmicks und Features parat. Beispielsweise sind Feiertage und Thementage inkludiert. Gelungen finde ich die separate Auflistung von Links, Bilder/Videos und Keywords. Einmalig ist ferner die Statistik-Funktion. Mit ihr lassen sich in einem Dashboard schnell und unkompliziert Entwicklungen im Jahresvergleich ablesen. Für Profis und Anfänger gleichermaßen geeignet, da es eine Legende und eine Kurzbeschreibung gibt.

Spreu vom Weizen

2 PR-Stunt Sterne (Stivologne) Der Redaktionsplan von medienweite ist seit 2016 aktualisiert. Alle wichtigen Komponenten sind enthalten. Kein Schnickschnack und auf das Wesentliche reduziert – benutzerfreundlich gestaltet. Die Möglichkeit einer genauen Kampagnenzuordnung ist ein Aspekt, den ich anderswo noch nicht sah. Neben einer Excel-Datei steht der hiesige Redaktionsplan ferner als OpenOffice-Dokument als Download bereit.

2 PR-Stunt Sterne (Stivologne) Der Redaktionsplan von Marketingwerk ist nicht ansprechend gestaltet. Auffällig ist die Implementierung von vermeintlich banalen Ansätzen. Die jeweilige Strategie hinter jedem einzelnen Beitrag kann betitelt werden, Kennzahlen wie Fans/Follower finden explizit Erwähnung und der Call-to-Action wird vorbereitet. Offene Punkte wie rechtliche Fragen oder zu etwaigen Verlängerungen in weiteren Kanälen sind aufgelistet.

2 PR-Stunt Sterne (Stivologne) Der Redaktionsplan von eisy enthält zunächst alle benötigten Informationen. Obwohl es sich beim Anbieter um einen Online-Marketing-Blog handelt, werden eigens Presseportale in die Betrachtung mit einbezogen. Warum ausschließlich Pinterest und nicht Instagram Erwähnung findet oder Snapchat im Update nicht auftaucht, erschließt sich mir nicht. Darüber sehe ich hinweg, da mit wenigen Klicks alle erdenklichen Social Media Kanäle einfach nachträglich hinzugefügt werden.

2 PR-Stunt Sterne (Stivologne) Der Redaktionsplan vom Content Marketing Institute stammt aus dem Jahr 2012 und ist eher rudimentär gestaltet. Dadurch eignet er sich gut für Einsteiger, auch wenn sie nicht der englischen Sprache mächtig sind. Denn hierbei handelt es sich um den einzigen der hier im Blogpost vorgestellten Redaktionspläne, der auf Englisch ist. Die angezeigte Ideensammlung stünde aus meiner Sicht vielen anderen Instrumenten ebenfalls gut zu Gesicht.

Zwölf auf einen Streich

2 PR-Stunt Sterne (Stivologne) Der Redaktionsplan von ebokks ist die erste Neuvorstellung in diesem Jahr. Mehr als eine aufgehübschte Excel-Tabelle kann ich nicht erkennen. Allerdings werden die gängigen Feiertage und besonderen Ereignisse respektive Aktionstage aufgelistet. Außerdem gibt es ausreichend Platz für Themen und Notizen sowie eine erweiterbare Social-Media-Kanal-Übersicht.

3 PR-Stunt Sterne (Stivologne) Der Redaktionsplan von Online Marketing Solutions ist gerade aktualisiert worden. Ein Geheimtipp für Agenturen, Blogger und Unternehmen, die sich auf Events spezialisiert haben. Neben den Gedenk- und Feiertagen gibt es eine eigene Spalte für Events. Dort sind die branchenspezifischen Messe-Aktivitäten und Termine eingetragen. Klasse sind die zahlreichen Notizen und Empfehlungen zum Catchen der Zielgruppen.

2 PR-Stunt Sterne (Stivologne) Der Redaktionsplan von Marie Graßhoff eignet sich vor allem für Autoren. So bezeichnet die Booknerd-Bloggerin ihren Redaktionsplan als Schreibkalender. Hier gibt es eine grafische und statistische Auswertung des Tagesziels zu sehen, geordnet nach Projekten und der angepeilten Wörteranzahl.

2 PR-Stunt Sterne (Stivologne) Der Redaktionsplan von Philipp Kuhlmann ist eine Adaption einer willkürlichen Excel-Tabelle. Sein Spezialgebiet ist die kostenlose Erstellung von Excel-Vorlagen für jedermann und jeden Zweck. Solides Handwerk behaupte ich. Es ist sowohl eine Kampagnen- und Themenzuordnung als auch eine detaillierte Statistikfunktion vorhanden. Dieser Kommunikationsplan ist ausreichend, nicht mehr und nicht weniger.

Mit einem Klick auf den jeweiligen Link gelangt ihr direkt zum Muster eines Redaktionsplans. Einfach „Bearbeitung aktivieren“ anwählen und es kann losgehen!

Nutzt ihr einen klassischen Redaktionsplan oder einen virtuellen Newsroom? Kennt ihr weitere Beispiele, die ihr hier einreihen möchtet? Wie geht ihr generell mit eurer Content-Planung um?

Passend zu diesem Beitrag gibt es von Eva Laspas die Blogparade „Zu Tode geplant? Planung ja oder nein?„. Dort findet ihr weitere schöne Ansätze zur Redaktionsplanung.


Autor: Stefan Schütz /
Foto: Uli Stoll Outdoor-Fotografie / pixelio.de

Comments
  1. Lieber Stefan,
    danke dir für deinen Beitrag zu meiner Blogprade „Zu Tode geplant?“ – wunderbar diese Auflistung – vielen Dank – da ist ja wirklich für jeden etwas drinnen!
    lg
    Eva

    • Hallo Eva,

      danke auch! Ich freue mich auf deine Zusammenfassung und dass ich dir noch ein wenig Input geben konnte.

      LG
      Stefan

  2. Hallo Stefan,

    das Thema Themen- und Redaktionsplanung scheint langsam in Unternehmen anzukommen. Die Nachfrage nach unserer Vorlage ist riesig. Zum Download unter: http://lean-content-marketing.com/redaktionsplan-themenplan/

    Viele Grüße aus dem Lean-Content-Marketing-Team

    • Hallo Sascha,

      ich hatte euren Redaktionsplan auch gefunden – aber darauf in diesem Beitrag verzichtet, weil Kontaktdaten abgefragt werden und alle genannten Vorlagen absolut barrierefrei sind.

      VG
      Stefan

  3. Prima Übersicht. Ich finde den von Rita Löschke am interessantesten. Gerne empfehle ich auch immer den hier:

    http://www.extrastoff.de/2016/11/29/redaktionsplan-2017/
    Liebe Grüße!

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