Offener Brief an Zeitungsverleger

Liebe Zeitungsverleger – ein letzer Weckruf

Liebe Zeitungsverleger – ein letzer Weckruf

Ein „offener Brief“ von zwei selbsternannten Kämpfern zum Ausmaß Abschluß der Zeitungskrise

Irgendwo in Deutschland. Zehn nach zwölf. Aus aktuellem Anlass. Die Branche trauert um ein weiteres prominentes Opfer. Nun hat es auch den Boulevard erwischt, die Münchner Abendzeitung musste Insolvenz anmelden. Oh Entschuldigung, die traditionsreiche Abendzeitung – so viel Zeit muss sein…

Wobei letztgenannte längst abgelaufen ist. Und das wirklich schlimme daran ist, liebe Zeitungsverleger: ihr seid offenen Auges, beratungsresistent und geblendet von einer erfolgreichen Vergangenheit eigenhändig und schnellen Schrittes in diesen Schlamassel geraten! Doch gibt es einen kleinen Trost: Ihr hättet es kaum verhindern können! Aber abfedern oder zumindest verschleppen und vielleicht sogar verändern.

Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln

Tageszeitungen plagen schon lange generelle Probleme: die Anzeigeneinnahmen sinken rapide, Auflagen gehen fast zwangsläufig zurück und die Leser bleiben zunehmend fern oder orientieren sich um (Stichwort: „Mobile“). Das gesamte Genre stemmt sich seit Jahren gegen die schleichende Krise und versucht sich neu zu erfinden. Zu lange trug die Arbeit vermeintlich saftige Früchte, zu lange war das Medium Zeitung unabdingbar, zu lange wurde sich auf der Erfolgswelle ausgeruht, zu lange wurde einfach nur abgewartet!

Als die Nachricht zum oben genannten Insolvenzantrag in den Social Media (welch Ironie) die Runde machte, konnte auch ich mir einen Kommentar nicht verkneifen. Ok, nicht ganz uneigennützig habe ich auf den Blogpost „Hybrid heißt die Lösung der Zeitungskrise“ verwiesen. Darin habe ich die bislang vielversprechendsten (naja, nennen wir sie weiterhin wohlwollend) Verbesserungsvorschläge Seitens der Verlage zusammengetragen.

Wake Me Up When September Ends

Zugegebenermaßen waren respektive sind die Lösungsansätze nicht sonderlich neu, geschweige denn von Erfolg gekrönt. Daher kam die Kritik von Hertha Kerz an dem Beitrag, aber auch an meinem Kommentar und ferner ein wenig an meiner Person gerade Recht. Die Inhaberin vom Pressebüro Hammaburger Texte und erfahrene Journalistin hatte sogleich den Vorschlag unterbreitet, gemeinsam unsere Gedanken zu veröffentlichen…

Das Projekt „Liebesbrief“ – ein letzter Weckruf – war geboren. Denn wir mögen beide Tageszeitungen. Ich sogar so sehr, dass ich noch immer zu der aussterbenden Spezies von Abo-Besitzern gehöre und allein aus beruflichen Gründen der Gattung „Print“ einiges abgewinnen kann. Wir möchten die Verlage wachrütteln, stellvertretend Gehör finden und zugleich eine Lanze brechen!

So machen sich „die Ritter, die immer ‚Nie‘ sagen [auf und] fordern von euch [liebe Zeitungsverleger] ein Opfer!“ (Frei nach Monty Python and the Holy Grail).

Muss nur noch kurz die Printwelt retten

Es wird ein für alle Mal Zeit, die Engstirnigkeit abzulegen und über den Tellerrand zu schauen: Benjamin O’Daniel weiß zum Beispiel warum die ZEIT so erfolgreich ist. Thomas Knüwer hat in seinem großartigen Blog „Indiskretion Ehrensache“ mit Getty Images und Yahoo zwei Lernbeispiele unterbreitet. Wenn da nur nicht dieses Leistungsschutzrecht wäre und die Verlage sich damit selbst im Weg stehen würden. So kommt es, wie es kommen muss (der Rheinländer kann selbstredend auch hier noch etwas Positives abgewinnen und nennt das „Et kütt wie et kütt“). Und so bleibt die fast vier Jahre alte Aussage nicht nur bestehen, sondern zählt mehr denn je: „Vielleicht sind Print-Verlage so etwas wie das nächste Yahoo: einst groß, prinzipiell sympathisch, starke Marken – aber zu behäbig um auf eine veränderte Welt zu reagieren.“

Ich seh besser aus als Bono und bin’n Mann des Volkes
Bereit die Welt zu retten, auch wenn das vielleicht zu viel gewollt is. Peter Fox


Autoren: Stefan Schütz / 
Foto: felix.foto pixelio.de

Dein Kommentar