Zeitungsbranche und Verlagsindustrie

Im Westen nichts Digitales

Im Westen nichts Digitales

Was die Zeitungsbranche von einem niederländischen Start-up lernen kann

Innerhalb weniger Wochen haben zahlreiche Zeitungshäuser in Deutschland die Bezahlschranke herabgelassen. Manchmal sind es 20, ab und an zehn oder sieben, am Ende gibt es keine Artikel mehr für den wissbegierigen Leser kostenlos.

Die Umsetzung ist immer gleich: wer ein Online-Abonnement oder eine App besitzt, ist total digital unterwegs und darf nur noch für subjektiv interessante sowie ausgewählte Themen löhnen. Genannt wird dies abwechselnd „Paid Content“, „Paywall“ oder neuerdings „Digital Pass„. Dass sich Grundlegendes ändern müsse, habe ich schon häufiger betont und weiß ja auch eigentlich jeder. Die Zeitungsbranche blickt in eine (un)gewisse Zukunft. Crossmedialer Wettbewerb und veränderte Mediennutzung werden ihr weiterhin zusetzen. Punkt.

Technologische Innovationen verändern in rasantem Tempo die Welt, in der wir leben, und beeinflussen nahezu alle Bereiche der Gesellschaft. Das gilt für die Demokratie, für die Formen des Wirtschaftens und für die Art, in der wir miteinander zusammenleben.
Jan Peter Balkenende, ehemaliger niederländischer Ministerpräsident

Ende April bin ich dann auf das niederländische Start-up „Blendle“ aufmerksam geworden. Zugegebenermaßen steckt hinter dem Vorhaben des Start-up aus den Nachbarlanden keine bahnbrechende Innovation. Jedoch wurde mit dem sogenannten Micropayment-Modell etwas bislang Einzigartiges geschaffen: die vermeintliche Vereinfachung und vor allem Vereinigung einer ganzen Branche – in diesem Falle die Verlagsindustrie in den Niederlanden.

Wie iTunes für Journalismus

Die Ergebnisse der Betaphase sind bereits vielversprechend. Die Leute konsumieren mehr Inhalte und mehr als die Hälfte von ihnen war unter 35 Jahre alt. Das ist eine ganz große Sache.
Blendle-Gründer Alexander Klöpping

Im Grunde ist das System wie iTunes für Journalismus. Nutzer müssen nur für das wirklich gelesene zahlen und Freunde, interessante Persönlichkeiten und natürlich ein Algorithmus helfen ihnen dabei, exklusive Inhalte von fast allen großen Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen zu finden. Insgesamt werden über 40 Mitglieder gezählt. Auf der Internetapplikation kann man für Beträge ab 10 Cent Zugriff auf einzelne Artikel erhalten. Die Verlage bekommen 70 Prozent der Einnahmen. Klöpping bezeichnet das Unternehmen in einem Interview mit dem Portfolio-Netzwerk für Journalisten, torial, als ein “Subscriptions as a Service”-Anbieter für die Verlage.

Derzeit stellen die niederländischen Verlage ausschließlich Print-Inhalte bereit. Eine Ausweitung des „Paydike“ um reine Online-Inhalte, wäre mit der vorhandenen Infrastruktur jederzeit möglich. Auch ausländische Verlage könnten reibungslos integriert werden. Diese stehen aber noch nicht wirklich Schlange… so ist beispielsweise eine schnelle Einführung auf dem deutschen Markt aufgrund der „speziellen Medienlandschaft“ eher kritisch anzusehen.

Wie eine Vision für Journalismus

Es wäre aber natürlich genial, wenn wir es schaffen würden, alle Verlage in Europa an Bord zu holen – auf eine Website mit einem Bezahldeich.

Ja, und irgendwann werde ich mich integrieren!


Autor: Stefan Schütz /
Foto: Alexandra Bucurescu / pixelio.de

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