Zeitungskrise

Hybrid heißt die Lösung der Zeitungskrise

Hybrid heißt die Lösung der Zeitungskrise

Eine faustdicke Überraschung: Viele Elektroautos verlieren doch tatsächlich bei winterlichen Temperaturen an Reichweite… dann stimmt die Chemie einfach nicht!

Wagen wir einen Szenenwechsel: Insbesondere Tageszeitungen verlieren nämlich nicht nur in Herbst und Winter an Reichweite. Sie plagen generelle Probleme – Anzeigeneinnahmen sinken, Auflagen gehen zurück, die Leser bleiben zunehmend fern oder orientieren sich um, weitere Insolvenzen drohen.

Das gesamte Genre stemmt sich seit Jahren gegen die schleichende Krise und versucht sich neu zu erfinden. Zu lange war die Arbeit erfolgreich, zu lange war die Zeitung unersetzlich, zu lange wurde sich auf der Erfolgswelle ausgeruht, zu lange wurde einfach nur abgewartet.

Jetzt haben wir den Salat!

Um jegliche Missverständnisse im Vorfeld auszuräumen: Ich mag Tageszeitungen, sogar sehr. So sehr, dass ich beispielsweise zu der aussterbenden Spezies von Abo-Besitzern gehöre und allein aus beruflichen Gründen der Gattung „Print“ (echt jetzt!) einiges abgewinnen kann!

Aber es wurden eben Fehler gemacht. Vielleicht ist allerdings eine (wie sagt man so schön) „Konsolidierung“ gar nicht so schlecht. Infolge der Pleiten diverser renommierter Zeitungen, sind seitens der Verlage durchaus vielversprechende (naja, nennen wir sie) Verbesserungsvorschläge unternommen worden.

Als da wären ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  1. Eine sogenannte Bezahlschranke (Neudeutsch: Paid Content), bereits 70 Zeitungen in Deutschland versehen mittlerweile ihre Inhalte online mit selbiger – Tendenz steigend.
  2. Etwas hilflos wirkt da hingegen ein Prämiensystem für bestehende Abonnenten, wie es derzeit beispielsweise ein Norddeutsches Abendblatt vollzieht.
  3. Wesentlich moderner und unabdingbarer klingt der Versuch, die Zeitungsbranche endgültig zu digitalisieren. Hierzu fallen mir in erster Linie die verbesserte Integration von Videos und Fotos sowie die allgemeine Interaktion und die in sozialen Netzwerken ein. Darüber hinaus wird es immer wichtiger, die Inhalte auf allen mobilen Endgeräten optimal darstellen zu können.
  4. Wenn alle Stricke reißen, kann das Vermächtnis auch an einen Mäzen oder Investor oder vermeintlichen Wettbewerber veräußert werden. Zum Beispiel (alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und realen Handlungen sind rein zufällig) könnten sich zwei Verlagsriesen in deutschen Landen über einen völlig uneigennützigen Deal einigen oder sich ein chinesischer Unternehmer einen der bekanntesten und größten Verlagstitel der Welt unter den Nagel reißen.
  5. Kommen wir wieder zurück zur Sache und bitte mit etwas mehr Ernsthaftigkeit zu einem – wie ich finde – schönen Ansatz: Die Zukunft der Zeitung und somit zur zumindest kurzfristigen Bewältigung der Krise heißt meiner Meinung nach „Hybrid„! Ein Amalgam alter und neuer Techniken, eine Kombination aus Print- und Online-Ausgaben. Klingt das nicht großartig?

Erste nationale und internationale Zeitungen haben das letztgenannte Konzept bereits umgesetzt. Ob dies von Erfolg gekrönt ist, bleibt abzuwarten. Forscher sehen zunehmend Chancen für eine „Hybridzeitung als Kombination aus einem fakten- und aktualitätsorientierten Digitalangebot und einer wöchentlich erscheinenden Printausgabe mit Analysen, Reportagen, Hintergrundberichten und Interviews“.

Die New York Times hat zum Beispiel jetzt ihren Internetauftritt reformiert: Navigation bei Bedarf, horizontales Blättern, Anzeigen in Gestalt von Artikeln. Übrigens die erste Neugestaltung seit dem Jahr 2006 und zugleich die vermeintlich letzte ihrer Art – künftige Veränderungen sollen sich organisch ergeben.

Welche Lösung auch bevorzugt wird, es muss sich etwas ändern – darauf können wir uns doch sicher einigen!?


Autor: Stefan Schütz /
Foto: Paul-Georg Meister / pixelio.de

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