Das Geheimnis der Hundesitterin

Die drei Influencer und das Geheimnis der Hundesitterin

Die drei Influencer und das Geheimnis der Hundesitterin

Clue Writing hilft rezeptfrei gegen Schreibblockaden

Peter, Paul und Mary* schmiedeten wie gewohnt Themenpläne für die nächsten Monate. Bei der Herangehensweise zur kreativen Entwicklung von Ideen waren sich die drei noch nie wirklich einig – das machte jedoch unter anderem den Erfolg dieser Konstellation aus. Sonst würde die Freundschaft wohl kaum über so viele Jahre hinweg gehalten haben. Von einer ursprünglich reinen Interessengemeinschaft ist das Dreigespann mittlerweile meilenweit entfernt. Unterschiedlichste Charaktere mit individuellen Vorstellungen und Zeitgefügen prallten wöchentlich im Lokal Car, dem regionalen Treffpunkt der Wikimedia-Community in Köln, mit fruchtbarer Wucht aufeinander. Meistens so ab 20 Uhr.

*Namen vom Autor unheimlich, stillvoll [sic!] und laut geändert. Jegliche Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sowie beflügelten Worten [sic, too!] auch ohne W, sind keinesfalls zufällig und völlig (l)egal.

Also in der Regel waren zwei von den dreien ab 20 Uhr pünktlich vor Ort. Mary benötigte immer ein bisschen länger. Die Mutter eines viereinhalb-jährigen Sohnes führt ja auch ein Doppelleben: Mama, Arbeitnehmer- und Bloggerin. Der aufmerksame Leser zählt an dieser Stelle vermutlich drei kraftraubende Tätigkeiten. 1, 2, 3 – jawohl das stimmt. Derjenige wird allerdings noch nie oder nur in aussichtslosen Ausnahmesituationen von einem Dreifachleben gehört haben. Nehmen wir das, also die Akrobatik, einfach als gegeben hin. Geht es hier doch vielmehr um die Belastung als solche und um Leidenschaft und Flexibilität. Gar nicht so einfach, alles unter einen Hut zu bringen.

Paul ist oftmals zu steif. Eine der Personen, die einen irgendwie nervös machen. Mit so Dingen wie: ständig durch die Haare streifen oder mit dem Kugelschreiber klicken oder mit lustigen Kritzeleien auf dem Notizblock oder mit stetem Blick auf das Mobilfunktelefon oder mit dem Selbstverständnis eines Fußballgotts für den Höflichkeitsrest auf Veranstaltungen mit vorgefertigtem Fünf-Gänge-Menü. Och mü äh nö mögen Außenstehende denken, obwohl die kokette Netiquette allen Beteiligten eins ums andere Mal über peinliche Situationen hinweggeholfen hat. Stets zu Scherzen aufgelegt, geprägt durch englischen Humor. Ein bisschen verbohrt unterwegs, die eigenen Schwächen durch eine gehörige Portion Sarkasmus übertünchend. Ansonsten ist er schon ein Guter, der Paul. Ein begnadeter Blogger und Kommunikator, Experte in Sachen Marketing, Spezialist für nonverbale Verständigung und König in seinem eigenen Land.

Bleibt noch Peter. Durchaus ein kurzweiliger Zeitgenosse, mit eigener und vehement vertretener Meinung, leicht egozentrischer Ader und den neuesten Trends nacheifernd. Ob hetero- oder homosexuell ist selbst ihm bis heute nicht ganz geläufig. Geld spielt einfordernd eine Rolle. Geben und etwas mehr Nehmen gleichermaßen, ha ha. Das dienstälteste Team-Mitglied ist mit seinen 47 Lenzen der erfahrenste Blogger. Ferner Hundebesitzer, was alle in fortdauernder Regelmäßigkeit zu spüren bekommen. Innerhalb des Zusammentreffens dieser Helden der Internetstadt, macht sich dies durch ein haariges Mitbringsel namens Mara bemerkbar. Sie ist schlichtweg eine treue Seele und war ihr Leben lang halt rund um die Uhr sowie Seite an Seite bei Paul. Warum also nicht auch beim Redaktionstreffen in der Zielbar im Lokal Car? Eben.

Kennengelernt haben sich die drei Weisen in der Morgenlandstraße vor X-Men-Jahren bei einem Sansibarcamp. Auf Anhieb sympathisch frohlockten sie den Sessions, gaben punktuell und temporär ihren Senf dazu und lachten immer an denselben Stellen. Für die andere Teilnehmer durchaus anstrengend zu beobachten. Hier entstand etwas Großes, was zum damaligen Zeitpunkt wohl kaum glasklar sein konnte. Bis heute jedoch bestens funktioniert. Sinnvolle Ergänzung, blindes Verständnis und ohrenbetäubender Output. Zumal der Enthusiasmus für außergewöhnliche Maßnahmen noch immer alle vereinen sollte. Diesmal war es eine Blogparade zu einem aberwitzigen Thema, deren Auflösung zum äußerst zeitnahen Redaktionsschluss längst nicht feststand.

Ohnehin war diesmal alles anders. Blieben doch der kreative Durchbruch oder innovative Zukunftsvisionen aus. Bis zu dem Zeitpunkt, als die sagenumwobene Hundesitterin um die Ecke bog. Eine attraktive Dame mittleren Alters, alternativ angehaucht und mit dem gewissen Etwas behaftet. Irgendetwas musste sie schließlich richtig machen, bestritt sie doch ihren Lebensunterhalt mit ausführlichen Spaziergängen an der frischen Luft unter Beobachtung von vierbeinigen besten Freunden des Menschen. Was war ihr Geheimnis? Logisch, mit Authentizität erlangte sie Reputation. So würde sie doch niemals Hundefleisch essen – bodenständiges Mädel mit Weitblick über den tiefen Tellerrand hinaus. Wusste sie doch, dass eigentlich nur über Cat-Content ein Blumentopf zu gewinnen war.

Die Moral von der Geschicht: Ausreden à la „passt nicht in mein Blog“, zählen nicht!

Was ist Clue Writing?

Clue Writing bedeutet sinngemäß „Schreiben mit Schlüsselwörtern oder unter einer Titelvorgabe“ und bezieht sich darauf Texte zu erstellen, die vorgegebene Wörter und Leitlinien beinhalten müssen. Diese Methode wird gerne angewandt um den Schreibfluss in Gang zu setzen, heimtückische Schreibblockaden auszutricksen oder einfach nur, um sich im kreativen Schreiben zu üben.

In den meisten Fällen gelten folgende Richtlinien:

  • Die bereitgestellten Clues müssen unbedingt im Text vorhanden sein.
  • Die Story muss zu mehr als zwei Dritteln an dem vorgegebenen Setting spielen.
  • Die durchschnittliche Clue-Writing-Story umfasst 1.100 Worte.
  • Die Textform und inhaltliche Gestaltung können frei gewählt werden.

Wenn man Witze erklären muss und den Hund das Pferd von hinten aufzäumt 😉

The up and Takeways
Mit diesem Artikel

  • gehe ich einen für mich völlig neuen Weg der Ideenfindung.
  • betreibe ich unterschwellig und doch exzessiv Buzzword-Bingo.
  • versuche ich mich an leichter Kost des Storytelling.

Wie geht ihr mit Schreibblockaden um? Was kann man dagegen machen? Wer hat diese Art der Bewältigung schon gekannt und angewandt? 


Autor: Stefan Schütz /
Foto: Didi01 / pixelio.de

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